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Roland Sing vom Sozialverband VdK will angesichts der drohenden Strompreiserhöhung ein Bündnis gegen die bisherige Energiepolitik initiieren. Einkommensschwache müssten sich Strom noch leisten können.
Roland Sing vom Sozialverband VdK will Bündnis gegen Energiepolitik © dpa
13.10.2012

Sozialverband VdK: Strom darf kein Luxusgut werden - Kosten gerechter verteilen

Der Sozialverband VdK will angesichts der drohenden Strompreiserhöhung ein Bündnis gegen die bisherige Energiepolitik schmieden. «Die Gefahr besteht, dass Strom zum Luxusgut vor allem für Einkommensschwächere wird - diese Leute leben nicht auf der Sonnenseite», warnte der VdK-Bundesvize Roland Sing.

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Vom Umweltminister Peter Altmaier (CDU) erwartet Sing zügig ein konkretes Konzept für eine gerechtere Verteilung der Kosten. «Und wenn das nicht vorgelegt wird, werden wir vom Sozialverband VdK aus mit vielen anderen Druck machen, dass hier was passiert und zwar schon für den Winter 2012/2013.»

Von der Politik erwartet Sing aus Steuermitteln eine Zuschussleistung für Hartz-IV-Empfänger und Einkommensschwache. «Wir fordern klare Stabilität für Menschen mit niedrigen Einkommen. Die Bundesregierung weiß selber am allerbesten Bescheid», sagte Sing und bezog sich auf den Armuts- und Reichtumsbericht aus dem Bundesarbeitsministerium. Dieser Bericht enthalte alle Daten und Fakten. «Strom muss für alle, relativ zum Einkommen, bezahlbar sein.»

Sing versteht nicht, warum Firmen bei den Strompreisen entlastet würden, die Situation von Menschen mit finanziell knappen Mitteln aber nicht berücksichtigt werde. «Ich sehe ein grundsätzliches Problem in der Verteilungsgerechtigkeit in dieser Gesellschaft», sagte Sing. Das Argument der Wettbewerbsfähigkeit gelte nicht für alle Unternehmen, die von niedrigeren Energiepreisen profitierten. «Das ist einfach eine wirtschaftsfreundliche Lobbyisten-Einstellung.»

Für das geplante Bündnis könne Sing sich einen Zusammenschluss mit Wohlfahrtsverbänden und Gewerkschaften vorstellen. Bei der nächsten VdK-Präsidiumssitzung will Sing über sein Vorhaben abstimmen lassen. «Ich bin mir auch ganz sicher, dass ich einen einstimmigen Beschluss bekomme», sagte Sing, der zugleich VdK-Chef in Baden-Württemberg ist.

Von den hohen Strompreisen seien viele Bevölkerungsgruppen betroffen. Als Beispiel nannte Sing die Stuttgarter Vesperkirche, die Anlaufstelle für Bedürftige ist. «Ich möchte nicht, dass weiterhin ältere Frauen, die Witwenrente von 600 bis 700 Euro beziehen, in solche Einrichtungen müssen, damit sie sich zu Hause die Heizung ersparen», sagte Sing. «Das ist einem Land wie Deutschland nicht würdig.»

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