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Ein Mitarbeiter des Teigwarenherstellers Alb-Gold Teigwaren GmbH, inspiziert am 24.01.2014 in der Produktion am Firmensitz in Trochtelfingen (Baden-Württemberg) Spätzle an einem Fließband.
spätzle © dpa
29.01.2014

Spätzle in der Mongolei - Lebensmittelbranche setzt aufs Ausland

St. Peter. Es war ein kulinarischer Geistesblitz, der Johannes Ruf zu seinem Exportschlager verhalf. Wie kann er seiner Schwester in den USA eine Kirschtorte aus der Heimat über den Ozean schicken? Der Bäckermeister aus der Schwarzwald-Gemeinde St. Peter fand eine pfiffige Lösung: Ein Kirschkuchen in der Dose. Seine Idee traf eine Marktlücke - und viele Geschmacksnerven rund um den Globus.

«Das ist ein absoluter Exportschlager», sagt Vertriebsleiter Josip Condic. Mehr als 5000 Bestellungen gingen per Internet jedes Jahr ein - von Brasilien bis Hongkong. Das Exportgeschäft sei ein lohnenswertes Zubrot von etwa 30 000 Euro Umsatz im Jahr - laut Condic etwa zehn Prozent des Gesamtumsatzes. So wie der Bäcker blicken viele Lebensmittel-Hersteller aus dem Südwesten zunehmend ins Ausland.

Denn während auf dem Binnenmarkt die Verkaufszahlen stagnieren, steigt die weltweite Nachfrage nach Lebensmitteln aus deutschen Landen. Nach Angaben der «German Export Association for Food and Agriproducts» hat Deutschland im vergangenen Jahr Lebensmittel im Wert von 71,3 Milliarden Euro exportiert - und liegt damit auf Platz drei der Lebensmittelexporteure weltweit.

«Die Nahrungs- und Futtermittelindustrie besitzt für Baden-Württemberg einen wichtigen Stellenwert», betont Wirtschaftsminister Nils Schmid (SPD). Mit einem Gesamtumsatz von 17 Milliarden Euro im Jahr 2012 belege die Branche den fünften Platz der wichtigsten Wirtschaftsbranchen im Südwesten.

Doch Baden-Württembergs Lebensmittel-Industrie verdient bislang nur einen geringen Anteil mit Exporten. So haben die Unternehmen im Südwesten laut Statistischem Landesamt im Jahr 2012 Nahrungs- und Futtermittel in Höhe von 3,4 Milliarden Euro exportiert - gerade mal 1,9 Prozent der gesamten Ausfuhren. Das könnte sich aber ändern.

So positionieren sich immer mehr Unternehmen aus dem Südwesten auf dem Weltmarkt. 8,5 Millionen Schwarzwälder Schinken wurden 2012 im Südwesten produziert. Laut Angaben des Schutzvorstands der Schwarzwälder Schinkenhersteller gingen etwa zehn Prozent davon in den Export. «Die ausländischen Märkte tragen zum Wachstum bei», sagte Elisabeth Adler-Gößmann, Vorstandsmitglied im Schutzvorstand.

Für den Nudelmacher Alb-Gold aus Trochtelfingen (Kreis Reutlingen) bietet das Auslandsgeschäft «ein zusätzliches Standbein mit Wachstumspotenzial», sagt Marketing-Chef Matthias Klumpp. 25 Prozent des Umsatzes werde im Export verdient - «Tendenz steigend». Nicht zuletzt «sichert das zusätzliche Exportgeschäft auch Arbeitsplätze bei uns».

«Vor allem Spätzle sind im Ausland sehr gefragt», sagt Klumpp. So gebe es die schwäbischen Eiernudeln unter anderem in Japan, Russland und Australien. «Wir exportieren die Spätzle sogar bis in die Mongolei.» Am beliebtesten seien sie in den USA: «Dort lebt eine große Zahl von "Exil-Schwaben", die ein Stück Heimat schätzen.»

Nicht nur Spätzle, sondern auch Süßigkeiten aus dem Südwesten finden weltweit Abnehmer. 180 Millionen Gesamtumsatz hat der Schokoladen-Riese Rübezahl aus Dettingen (Kreis Esslingen) im laufenden Geschäftsjahr nach eigenen Angaben schon eingenommen - 40 Prozent davon im Ausland.

Genauso hoch liege der Auslandsanteil am Umsatz beim Schoko-Hersteller Ritter Sport aus Waldenbuch (Kreis Böblingen), sagt Unternehmenssprecher Thomas Seeger. Die Schoko-Tafeln gebe es weltweit in mehr als hundert Ländern.

Rübezahl exportiert in mehr als 50 Länder - von Uruguay bis Australien. Damit die Schoko-Hasen dort auch pünktlich zum Osterfest eintreffen, gehen sie schon einige Monate vorher per Schiff auf ihre große Reise. Dabei musste Rübezahl erfahren, «dass manche unserer Schoko-Osterhasen schwimmen können», wie Sprecher Dieter Schäfer erzählt. Im Februar 2007 war ein Container mit den Langohren vor der britischen Küste auf Grund gelaufen. Auf Export wolle das Unternehmen trotzdem setzen - auch wenn manche Schoko-Hasen baden gehen.