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Die Musikhochschule in Stuttgart. Mit einer Neuordnung der Musikhochschulen will das Land mittelfristig vier Millionen Euro im Jahr sparen.
Die Musikhochschule in Stuttgart. Mit einer Neuordnung der Musikhochschulen will das Land mittelfristig vier Millionen Euro im Jahr sparen. © dpa
17.07.2013

Sparkurs bei Musikhochschulen - 500 Studienplätze weniger

Stuttgart/Trossingen. Mit einer Neuordnung der Musikhochschulen will das Land mittelfristig vier Millionen Euro im Jahr sparen. Während an den Hochschulen in Stuttgart, Freiburg und Karlsruhe das aktuelle Angebot bestehen bleibt, müssen die Standorte Trossingen und Mannheim sich spezialisieren und zusammen 500 Studienplätze abbauen, kündigte Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) am Dienstag in Stuttgart an.

Das entspricht einer Kürzung der Zahl der 3100 Studienplätze um 16 Prozent. Der Vorschlag des Landesrechnungshofes, überall gleichmäßig zu kürzen, läuft ins Leere. «Der Rasenmäher löst keine Probleme», sagte Bauer.

Mannheim und Trossingen lehnen das Konzept ab. Der Vorsitzende der Landesrektorenkonferenz der Musikhochschulen, der Karlsruher Rektor Hartmut Höll, sagte: «Ein Konsens besteht leider nicht.» Beide hätten Kürzungen über alle Hochschulen hinweg bevorzugt. Dennoch sei das Ergebnis der Beratungen zwischen Ministerium, Hochschulen und externen Experten, alle Standorte zu erhalten, beachtlich. «Dieser Weg kann auch Chancen eröffnen.»

In Mannheim sollen 300 Plätze wegfallen, die aber durch die Integration der Popakademie in die Hochschule ausgeglichen werden. Die Popakademie soll Hochschulstatus erhalten und Mannheim zum Zentrum für Jazz-, Popmusik und Tanz werden. Mannheim war mit 660 Studienplätzen der zweitgrößte Standort nach Stuttgart mit 770. «Wir sind natürlich sehr traurig», sagte der Präsident der Mannheimer Hochschule, Rudolf Meister. «Wir halten diese Entwicklung nicht für vorteilhaft für das ganze Musikland Baden-Württemberg.» Die Diskussion sei aber noch nicht zu Ende. «Wir hoffen, dass es noch Spielräume bei der inhaltlichen Gestaltung gibt.»

Trossingen, der mit 470 Studienplätzen kleinste Standort, soll 200 Studienplätze verlieren. Dort soll die Ausbildung für Alte Musik und Elementare Musikpädagogik gebündelt werden. In der Stadt im Landkreis Tuttlingen soll auch eine neue Akademie entstehen, die als Proben- und Exkursionsort für Ensembles und Vorklassen dient. Laut Bauer wird der Neuzuschnitt das kulturelle Angebot in der Region bereichern. Die 525 Lehramtsstudienplätze bleiben an allen Standorten unberührt.

Der Prorektor der Musikhochschule Trossingen, Michael Hampel, sagte: «Die Region ist entsetzt von den Plänen.» Es werde viel von dem zerstört, was in 30 Jahren aufgebaut worden sei. Die vorgesehene Akademie sei «Augenwischerei» und könne den Verlust des Status einer Voll-Musikhochschule nicht ausgleichen. Auch die CDU im Landtag sprach sich gegen das aus ihrer Sicht regional unausgewogene Konzept aus, das die Standorte Mannheim und Trossingen massiv schwäche.

Die Einsparung der Personalstellen soll vor allem durch natürliche Fluktuation bis 2020 erbracht werden. Professoren müssten auch mit Verlagerung ihrer Stellen rechnen, erläuterte Bauer. Um einen strukturellen Sparbeitrag für den Haushalt zu erbringen, wäre die Alternative neben der vom Rechnungshof vorgeschlagenen flächendeckenden Einsparung die Schließung einer Hochschule gewesen.

Die Empfehlung des Rechnungshofes, Quoten für Studenten aus dem Nicht-EU-Ausland einzuführen, verwirft das Ministerium. Allerdings würden Gebühren für diese Gruppe «sehr intensiv» geprüft. Ein knappes Drittel der Studenten an den Musikhochschulen kommt aus Nicht-EU-Staaten. In Deutschland erhebe einzig die Musikhochschule in Leipzig Gebühren, hieß es. Quoten gebe es nirgendwo. Höll betonte, die Leistung der Studenten müsse das Aufnahmekriterium bleiben. «Wir wollen die besten, wir bekommen die besten.»