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19.07.2012

Spielsucht als Auslöser für Karlsruher Geiseldrama?

Nach den Feststellungen der Kriminalpolizei kommt als ein möglicher Hintergrund der blutigen Geiselnahme am 4. Juli im Karlsruher Kanalweg die Spielsucht des 53 Jahre alten Täters in Frage. Offenbar hatte der Mann über Jahre hinweg an Spielautomaten größere Summen verspielt.

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Eine gravierende finanzielle Notlage sei allerdings nicht erkennbar gewesen. Bei der Obduktion wurden in seinem Blut zudem 0,85 Promille Alkohol festgestellt. Bei diesem eher geringen Wert erscheint Alkohol als Auslöser der vier Morde und des Suizids äußerst unwahrscheinlich.

Bildergalerie: Karlsruhe gedenkt der Opfer des Geiseldramas

Zu einer möglichen Erkrankung der 55-jährigen bisherigen Wohnungseigentümerin konnten trotz intensiver Recherchen keine Erkenntnisse erlangt werden. 

Die weitere Spurensicherung am Tatort hat Angaben des von dem Täter freigelassenen Sozialarbeiters bestätigt, denen zufolge er bei dem 53-Jährigen eine zweite Handgranate wahrgenommen hatte.

Wie berichtet, hatte der Mann offenbar kurz vor der Selbsttötung in der Wohnung den Teppich in Brand gesetzt. In dessen verkohlten Resten konnte bei der akribischen Suche schließlich die bis zur Unkenntlichkeit verschmolzene Übungshandgranate entdeckt werden. Diese Feststellung war erst nach Einsatz eines Metalldetektors möglich geworden, mit dessen Hilfe die Beamten zunächst auf die Metallsplinte der Granate gestoßen waren.

Auf welchem Wege der Mann an die Granaten und die in der Wohnung beziehungsweise im Keller insgesamt sieben entdeckten scharfen Waffen einschließlich großer  Munitionsmengen gekommen ist, konnten die Ermittlungen mit Ausnahme der zu seiner Selbsttötung benutzten Langwaffe nicht beantworten. Diese hatte der französische Staatsangehörige, der Mitglied in einem elsässischen Schützenverein war, nach einer entsprechenden Eintragung vor Jahren in Frankreich legal erworben.

Für Deutschland hatte diese französische Berechtigung allerdings keine Wirkung; auch der Besitz dieser Waffe war daher in Deutschland illegal. Über den Verbleib von weiteren fünf in Frankreich auf ihn eingetragenen Waffen liegen gleichfalls keine Erkenntnisse vor.

Da nach den durchgeführten Ermittlungen an der Täterschaft des 53-Jährigen nicht zu zweifeln ist, hat die Staatsanwaltschaft Karlsruhe das Ermittlungsverfahren nunmehr eingestellt. Zugleich wurde die 15-köpfige „Ermittlungsgruppe Kanalweg“ aufgelöst.