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Frank Mastiaux wird ab Montag seinen neuen Posten als Vorstandsvorsitzender des Energiekonzerns EnBW antreten. Der 48 Jahre alte Manager soll Deutschlands drittgrößten Energieversorger vom ehemaligen Atom- zum Ökostromanbieter umbauen.
Frank Mastiaux wird ab Montag seinen neuen Posten als Vorstandsvorsitzender des Energiekonzerns EnBW antreten. Der 48 Jahre alte Manager soll Deutschlands drittgrößten Energieversorger vom ehemaligen Atom- zum Ökostromanbieter umbauen. © dpa
25.09.2012

Stabwechsel bei EnBW: Villis geht, Mastiaux kommt

Schichtwechsel bei EnBW: Noch-Chef Hans-Peter Villis scheidet an diesem Freitag aus dem Amt; schon am Montag sitzt der frühere Eon-Manager Frank Mastiaux an seinem Platz. Ob damit eine neue Zeit für das Unternehmen heranbricht, muss sich noch zeigen. PZ-news beantwortet wichtige Fragen zum Thema.

Was erwartet den «Neuen»?

Frank Mastiaux übernimmt am 1. Oktober ein Unternehmen mit knapp 19 Milliarden Euro Umsatz und rund 20 000 Mitarbeitern. Deutschlands drittgrößter Energieversorger und Betreiber von vier Atomkraftwerken verdiente bis zum Atomausstieg prächtig mit der Kernkraft. Seit dem vergangenen Jahr sind zwei Meiler abgeschaltet - Neckarwestheim I und Philippsburg I - und das Unternehmen rutschte mit einem Verlust von 870 Millionen Euro 2011 tief ins Minus. Inzwischen jedoch haben sich die Zahlen wieder stabilisiert. Im ersten Halbjahr 2012 verbuchte EnBW einen 545-Millionen-Euro-Überschuss - am Jahresende könnten wieder schwarze Zahlen stehen.

Weg vom Kernenergie-Geschäft - Was wurde bislang erreicht?

Gas: Der EnBW ist es nach jahrelangen Bemühungen gelungen, das Gasgeschäft in Fahrt zu bringen. Das Unternehmen brachte einen langfristigen Liefervertrag mit dem russischen Gaslieferanten Novatek unter Dach und Fach. Zehn Jahre lang sollen jährlich 21 Milliarden Kilowattstunden geliefert werden. Das entspricht etwa einem Drittel des bisherigen Gasabsatzes. Den Bau eines Gaskraftwerkes in Deutschland plant EnBW derzeit aber nicht.

Windkraft: Die EnBW ist in Sachen Windenergie auf dem Festland, aber auch auf dem offenen Meer aktiv. Onshore hat das Unternehmen seine Kapazität innerhalb von zehn Jahren versechs- oder sogar versiebentfacht, sagt der scheidende EnBW-Chef Hans-Peter Villis. Gesamtleitung derzeit: 170 Megawatt. Offshore-Windparks baut EnBW seit 2008. Baltic 1 mit einer Leistung von knapp 50 Megawatt ist bereits in Betrieb. Geplant sind Baltic 2 sowie zwei weitere Windparks mit insgesamt 1100 Megawatt Leistung. Auch im Ausland, etwa der Türkei, sollen Windparks gebaut werden.

Wasserkraft: Die EnBW betreibt Wasserkraftwerke mit einer Leistung von rund 3300 Megawatt. Derzeit sieht das Unternehmen nach Villis' Worten aber bis auf den Zubau einer fünften Maschine im Rheinkraftwerk Iffezheim keine weiteren größeren Potenziale im Inland. Investiert werden soll dafür unter anderem in der Türkei.

Wo sind die größten Baustellen?

Neben dem Ausbau Erneuerbarer Energien muss EnBW an vielen Fronten kämpfen. Die beiden im vergangenen Jahr abgeschalteten Meiler müssen abgebaut werden; der Rückbau eines weiteren Meilers in Obrigheim hat schon länger begonnen. Außerdem muss die EnBW sparen: Rund 1600 Stellen sollen wegfallen und bis 2014 jährlich rund 750 Millionen Euro eingespart werden. Befassen muss sich Mastiaux außerdem mit der Affäre um undurchsichtige Russlandgeschäfte und einem Millionen-Rechtsstreit mit dem russischen Lobbyisten Andrey Bykov.

Was sind die Ziele der EnBW?

Die EnBW will die Energiewende mit Hilfe von Investitionen in Höhe von rund vier Milliarden Euro schaffen. Die Hälfte davon soll in Wachstumsprojekte, vornehmlich Erneuerbarer Energien, fließen. In zehn Jahren will das Unternehmen rund 20 Prozent seines Stroms aus alternativen Energiequellen beziehen. Das entspricht einer Verdoppelung des bisherigen Anteils.