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Das Luftbild zeigt die Pforzheimer Innenstadt.
Das Luftbild zeigt die Pforzheimer Innenstadt. © dpa
26.01.2013

Städte im Südwesten wachsen dank Einwanderung

Stuttgart/Pforzheim. Einwanderer- statt Babyboom: Viele Städte in Baden-Württemberg erleben einen Einwohnerzuwachs dank Menschen aus dem Ausland. So auch Pforzheim. Im November 2012 lebten 117 900 Menschen in der Goldstadt, das waren rund 1000 mehr als 2011.

Vom jahrelang prognostizierten Bevölkerungsschwund fehlt derzeit vielerorts jede Spur. Ein Grund dafür ist die Schuldenkrise, wegen der etwa zahlreiche Südeuropäer neue Lebensperspektiven in Deutschland suchen. Eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa in mehreren Kommunen ergab, dass der wirtschaftsstarke Südwesten von Einwanderung profitiert.

Das zweite Jahr in Folge erlebt auch PFORZHEIM ein Einwohnerplus. Im November 2012 lebten 117 900 Menschen in der Goldstadt, das waren rund 1000 mehr als 2011. Nach Angaben der Stadt spielt auch dort die «positive Wanderungsbilanz» die entscheidende Rolle. Bereits 2011 waren rund 1000 Neubürger vor allem aus Osteuropa und dem Irak gekommen. Die städtische Prognose aus dem Jahr 2010 war mittelfristig von einem leichten Bevölkerungsrückgang ausgegangen. «Zum Zeitpunkt der Berechnung gab es noch keine Hinweise auf die zwischenzeitlich eingetretene starke Zuwanderung», sagte ein Sprecher.

Die Landeshauptstadt STUTTGART zum Beispiel verzeichnete zum Jahreswechsel so viele Einwohner wie seit 20 Jahren nicht mehr. Die Zahl derer mit Hauptwohnsitz sei um gut 5800 auf knapp 579 000 gestiegen. Das liege an den sogenannten Wanderungsgewinnen. Es zogen mehr Menschen nach Stuttgart als die Stadt verließen. Eine bedeutende Rolle spielten dabei Zugezogene aus dem Ausland, wie es hieß. Auch die positive Geburtenrate spielte eine Rolle beim Zuwachs.

Auch die Donaustadt ULM gibt einen Bevölkerungszuwachs für 2012 infolge von Migration bekannt. Um rund 890 stieg die Einwohnerzahl. Mit Stand Juni 2012 lag diese bei 123 735 Menschen. «Der positive Wanderungssaldo hat sich in diesem Jahr weiter vergrößert; er trägt immer mehr zum Bevölkerungswachstum bei», hieß es bei der zuständigen Abteilung der Stadt. Vor allem aus Staaten der EU-Erweiterung sowie aus Südeuropa habe es erhöhte Zuwanderung gegeben. In Ulm wurden zudem etwas mehr Babys geboren als Menschen starben. Die Stadt geht in den nächsten Jahren weiter von einer wachsenden Bevölkerung aus.

Mit gut 303 000 Menschen kam die Stadt KARLSRUHE zum Jahreswechsel 2011/12 auf ihre bisher höchste Einwohnerzahl. Zwar gibt es auch dort wie in vielen deutschen Großstädten seit Jahren weniger Geburten als Sterbefälle, doch die Bilanz der Ab- und Zuwanderungen ist positiv: Der Wanderungsgewinn lag bei rund 2800. «Als attraktiver Ausbildungs- und Studienort hat Karlsruhe in den letzten Jahren vor allem durch die Zuwanderung von Personen junger und mittlerer Jahrgänge profitiert», sagte eine Sprecherin. Vor allem aber wegen der Wanderungsgewinne aus dem Ausland, die 2011/2012 alleine ein Plus von 2002 Menschen ausmachten, wachse die Einwohnerzahl seit Jahren. Das sei wohl ein Trend.

FREIBURG sei eine der am rasantesten wachsende Großstädte in Deutschland, sagte Oberbürgermeister Dieter Salomon (Grüne). Und diese Entwicklung werde weiter anhalten. Derzeit hat die Stadt 214 000 Einwohner, im Jahr 2030 sollen es rund 230 000 sein. Besonders stark sei der Zuwachs bei jungen Familien und Senioren.

Die Universitätsstadt TÜBINGEN wächst und wächst gleichermaßen. Gut 90 000 Einwohner hat die Stadt derzeit, das sind rund 7000 mehr als noch vor vier Jahren. Die Stadt hat vor allem einen gewaltigen Ansturm von Studenten erlebt. Auch in REUTLINGEN und HEILBRONN stieg die Einwohnerzahl. «Wir erleben jedes Jahr neue Höchststände», sagte ein Sprecher in Heilbronn und führte das auch auf die wirtschaftliche Entwicklung zurück. Auch HEIDELBERG rechnet mit weiterem Zuwachs. Die Stadt ESSLINGEN mit ihrer Autoindustrie erwartet auch ein Anhalten des Trends: «Hauptmotiv für die Zuwanderung sind Arbeitsplätze.»

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