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03.07.2016

Städte lassen sich Kultur etwas kosten - Nicht nur Pforzheim muss sparen

Karlsruhe/Pforzheim. Wo die Steuereinnahmen sprudeln, lassen sich Städte im Land die Kultur etwas kosten. Doch mancherorts - in Karlsruhe, Baden-Baden und auch in unserem Pforzheim - drohen gravierende Einschnitte. In Heidelberg und der Landeshauptstadt Stuttgart hat man hingegen keinen Grund zur Klage, ergab eine Umfrage der DPA. Wo es Probleme gibt, sind die Ursachen durchaus vielschichtig.

Wo die Kultur noch Freude macht

In Stuttgart machen die Kulturausgaben laut Stadt mit gut 150 Millionen Euro rund fünf Prozent des Etats aus. Kürzungen stehen nicht im Raum. Deutlich erhöht wurden die institutionelle Förderung der Theater um 654 000 Euro (2016) beziehungsweise 700 000 Euro (2017) auf dann 10,8 Millionen. Geplant ist unter anderem eine neue Ballettschule und die Sanierung des Opernhauses. Das auf sieben Jahre angelegte Megaprojekt soll am Ende rund 340 Millionen Euro kosten, was auch von der Stadt geschultert werden wird.

In Heidelberg, die sich als bislang einzige deutsche Stadt mit dem Titel Unesco-Literaturstadt schmücken darf, wird nicht gegeizt. «Heidelberg gehört zu den mittelgroßen deutschen Städten mit den höchsten Kulturausgaben pro Kopf», sagt ein Stadtsprecher. Die Aufwendungen betragen 46 Millionen Euro pro Jahr, Tendenz steigend: 2012 waren es noch 42 Millionen Euro. «Die Folge dieser Förderung ist ein breitgefächertes kulturelles Angebot», sagt ein Stadtsprecher.

Gut drauf ist man auch dort, wo sich - wie in Tübingen - höhere Steuereinnahmen in der Kultur bemerkbar machen. «Keine Einschnitte geplant», sagt eine Rathaus-Sprecherin. Vielmehr sei noch was «draufgelegt» worden. Der Intendant des Landestheaters, Thorsten Weckherlin, ist voll des Lobes auch für das Land. «Ich war zuvor im Ruhrgebiet, da war es schwerer. Die machen das ganz gut in Baden-Württemberg.»

In Reutlingen ist die jährliche Kulturförderung seit 2013 um gut eine Million Euro auf nun 15,5 Millionen Euro gestiegen - und es wird eine neue Spielstätte fürs Stadttheater gebaut. Keinen Grund zur Klage hat man auch in Heilbronn, wo das 13-Millionen-Euro-Budget des Theaters genauso wenig zur Disposition steht wie die Zahlungen für die Museen.

Wo es noch geht:

Bruchsal kann den Kultur-Etat von 3,9 Millionen Euro halten und stockt den jährlichen Zuschuss für die Badische Landesbühne Bruchsal ab 2017 um je 40 000 Euro auf - in der Erwartung, dass das Land Baden-Württemberg nachzieht. Vergleichsweise solide ist die Situation auch in Mannheim. «Bisher haben wir es geschafft, keine Kürzungen im Kulturetat vornehmen zu müssen», sagt Bürgermeister Michael Grötsch (CDU). Erheblichen finanziellen Nachholbedarf sieht er für die Sanierung des Nationaltheaters Mannheim. «Nach derzeitigem Stand sind für 2017 keine Kürzungen geplant», heißt es auch aus Ulm.

Freiburg sichert seinen städtischen Bühnen trotz angespannter Finanzlage einen stabilen Etat zu. In den vergangenen Jahren hatten Stadt und Theater einen Sparplan aufgestellt. «Das Theater hat seinen Teil beigetragen. Nun sind wir in der Pflicht, dem Theater gegenüber verlässlich zu sein», sagt Kulturbürgermeister Ulrich von Kirchbach (SPD). «Das ist im Interesse des Theaters und im Interesse der Stadt.» Ein Freundeskreis unterstützt das Theater mit einem Jahresetat von 25 Millionen Euro.

Wo man sich richtig sorgen macht

Die Alarmleuchten blinken dagegen in unserem Pforzheim: Eine hohe Arbeitslosigkeit und ein vergleichsweise geringes Steueraufkommen zwingen zum Sparen. In einem 307-Punkte-Sparkatalog kommt alles auf den Prüfstand - Kultur inklusive. Schließungen von städtischen Einrichtungen gab es nicht, aber: «Die großen städtischen Einrichtungen wie Theater oder Stadtbibliothek sind stark betroffen», sagt ein Sprecher. Bis 2021 sollen im Kulturhaushaushalt an die acht Millionen Euro gespart werden. Das trifft nach Angaben von Uwe Dürigen, Verwaltungsdirektor des Theaters, sein Haus mit 211 Planstellen «empfindlich». Nur durch betriebsbedingte Kündigungen, Abbau von Rücklagen und Preiserhöhungen könnten alle drei Sparten gerettet werden.

In Finanznöten ist auch Karlsruhe, wo Kultur-Leuchttürme wie das Badische Staatstheater sowie das Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) tiefe Einschnitte bis hin zu Stellenabbau befürchten. Das Kultur-Budget von 49,4 Millionen Euro sinkt im kommenden Jahr um 300 000 Euro. «Es trifft alle Institutionen gleichermaßen, die großen wie die so genannten kleinen», heißt es aus der Stadt. Im Staatstheater sollen aber keine Sparten geschlossen werden. Vor allem der hohe Aufwand für die Kinderbetreuung macht den den Karlsruhern trotz guter Steuereinnahmen zu schaffen.

In Baden-Baden, das für sein Theater 6,8 Millionen Euro ausgibt, sind wegen rückläufiger Gewerbesteuer Kürzungen in Höhe von zehn Prozent bei Sachmitteln im laufenden Haushaltsjahr geplant. «Wir suchen nach Lösungen», sagt ein Rathaussprecher.

Konstanz zahlt an sein Theater jährlich rund 5,7 Millionen Euro. Einschnitte seien derzeit nicht geplant. Theaterintendant Christoph Nix ärgert sich dennoch: «Wir sind mit Abstand das am schlechtesten bezahlte Theater in diesem Bundesland. Uns fehlt es an Lagerverwaltern, Pförtnern, Ankleiderinnen, Fundusmitarbeitern.» Der Südwesten müsse seine Unterstützung für die Theater dringend überprüfen, meint Nix. Während die großen Staatstheater gefördert würden, verarmten kleine zunehmend. Außerdem bestrafe der Südwesten die Theater, je weiter sie weg von Stuttgart seien.

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