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Blutpäparate aus der DDR wurden auch in Karlsruhe eingesetzt. Das Blut dafür kam unter anderem von Häftlingen, die auch gegen ihren Willen Blut spenden mussten.
Blutpäparate aus der DDR wurden auch in Karlsruhe eingesetzt. Das Blut dafür kam unter anderem von Häftlingen, die auch gegen ihren Willen Blut spenden mussten. © Symbolbild: dpa
16.01.2014

Städtisches Klinikum Karlsruhe gibt Bluthandel mit DDR zu

Karlsruhe. Das Städtische Klinikum Karlsruhe hat eingeräumt, am Bluthandel mit der DDR beteiligt gewesen zu sein. Es bestätigte am Donnerstag einen Bericht des ARD-Politikmagazins «Report Mainz». Der Bluthandel mit der DDR steht in einem schlechten Licht, seit bekanntwurde, dass das Regime zeitweise auch Blut von Häftlingen gegen Devisen an den Westen verkaufte.

In einer Stellungnahme an den Sender, die der Nachrichtenagentur dpa vorliegt, erklärt das Klinikum, zwischen 1988 und 1990 Blutpräparate aus der DDR bezogen zu haben. Zum damaligen Zeitpunkt hätten sich keine Bedenken gegen die Vertragsbeziehungen mit der DDR ergeben, hieß es.

Die DDR hat nach Erkenntnissen der Stasi-Unterlagen-Behörde Häftlinge zum Blutspenden gezwungen und die Präparate in den Westen verkauft. Auf diese Weise verschaffte sich das klamme SED-Regime dringend benötigte Devisen, wie das ARD-Politmagazin «Report Mainz» unter Berufung auf eine noch unveröffentlichte Studie der Behörde berichtete. Zudem sollen sehr viel mehr westdeutsche Firmen als bisher bekannt von der Zwangsarbeit politischer DDR-Häftlinge profitiert haben. Demnach ließen zahlreiche Unternehmen vor allem in den 70er und 80er Jahren billig in DDR-Betrieben produzieren, die auch Häftlinge zur Arbeit einsetzten. Das Magazin nannte unter anderem den Lebensmittel-Discounter Aldi.

Der Möbelkonzern Ikea hatte 2012 eingeräumt, spätestens seit Anfang der 1980er Jahre vom Einsatz politischer Häftlinge für die Möbelproduktion der Firma gewusst zu haben.

Der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn, sagte dem Magazin: «Das Forschungsprojekt hat gezeigt: Ikea war nur die Spitze des Eisbergs.» Der Autor der Studie, Tobias Wunschik, sagte: «Es lässt sich aus Teilzahlen ungefähr abschätzen, dass jährlich mindestens 200 Millionen DM mit Waren umgesetzt wurden, die allein auf Häftlingsarbeit beruhten.»

Das Bayerische Rote Kreuz (BRK) kaufte die Blutspenden über einen Schweizer Zwischenhändler auf. Gegenüber «Report Mainz» bestätigte das BRK den Bezug von Blutpräparaten in den 80er Jahren. Nach Angaben der Behörde für die Stasi-Unterlagen war es in den Haftanstalten Gräfentonna (Thüringen) und Waldheim (Sachsen) zu derartigen Blutspenden gekommen. Gegenüber dem TV-Magazin räumte der damalige Vize-Chef des Bezirksinstituts für Blutspende- und Transfusionswesen Erfurt, Rudolf Uhlig, ein: «Wir haben dort Blutspendetermine durchgeführt.» Gespendet hätten in Gräfentonna nur Häftlinge. Aus Stasi-Akten gehe hervor, dass dies nicht freiwillig geschah.

Der Discounter Aldi Süd bestätigte Berichte von «Report Mainz» und «Westdeutscher Allgemeiner Zeitung» (Mittwoch), dass er in den 80er Jahren Geschäftsbeziehungen zum VEB Strumpfkombinat Esda Thalheim (Sachsen) gehabt habe. Dem Unternehmen sei erst durch Recherchen des Bayerischen Rundfunks im vergangenen Jahr bekanntgeworden, dass das Strumpfkombinat damals offenbar einzelne Produktionsschritte an das Frauengefängnis in Hoheneck vergeben habe. Aldi Süd verurteile die Praxis, Häftlinge unter Zwang für die Produktion einzusetzen, «aufs Schärfste», betonte das Unternehmen.