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17.02.2011

Statistik: Kriminelle schlagen seltener, aber brutaler zu

STUTTGART. Kriminelle schlagen im Südwesten seltener, aber brutaler zu als früher. Die Statistik des vergangenen Jahres zeigt: Bei den Gewalttaten geht die Kurve nach oben. Insgesamt aber gilt: Die Zahl der Straftaten ist in Baden-Württemberg auf den tiefsten Stand seit zehn Jahren gesunken. Der Südwesten hat damit weiterhin neben Bayern die bundesweit geringste Kriminalitätsrate.

Innenminister Heribert Rech (CDU) zeigte sich am Donnerstag sogar überzeugt: «Wir sind die Besten.» 572.049 Straftaten gab es im vergangenen Jahr - 1,2 Prozent weniger als 2009. Die Polizeiliche Kriminalitätsstatistik 2010 weist je 100.000 Einwohner 5324 Fälle und damit 63 weniger aus als im Jahr 2009. Im Bund wurden im gleichen Zeitraum 7383 Straftaten pro 100.000 Einwohner gezählt. Die Aufklärungsquote stieg im Land um einen halben Punkt auf 59,9 Prozent. Dies ist der zweitbeste Wert seit 1971.

Allerdings nahmen erstmals seit zwei Jahren die Fälle gefährlicher und schwerer Körperverletzung wieder zu: 19.087 Gewaltdelikte wurden gezählt - 229 mehr als im Jahr zuvor. 130 Menschen wurden umgebracht - 4 weniger als im Vorjahr. Die einfache Körperverletzung, die nicht zur Gewaltkriminalität gerechnet wird, stieg um 5,2 Prozent oder 1889 auf 38.228 Fälle.

Eine Verschiebung beobachten die Ermittler bei den Eigentumsdelikten: Computer- und Internetkriminalität nehmen zu, Straßendiebstähle lassen nach. Die Polizei im Land registrierte im vergangenen Jahr 22.494 Straftaten im weltweiten Datennetz - das sind rund 1000 Fälle oder 4,6 Prozent mehr als im Jahr 2009. Um bei der virtuellen Kriminalität dagegenzuhalten, hat die Polizei rund 4100 Beamte geschult. Außerdem werden 15 externe Spezialisten beim Landeskriminalamt und bei der Akademie der Polizei neu eingestellt.

Während die Diebstähle um 2,4 Prozent auf 201.008 zurückgingen, nahm die Zahl der Wohnungseinbrüche um 404 auf 7844 zu. Diese Entwicklung bedroht nach Rechs Worten das Sicherheitsgefühl der Bürger. Rückläufig waren die Drogenkriminalität mit 24.441 (2009: 25.198) Fällen und die Wirtschaftskriminalität mit 13.567 (14.661) Fällen.

Der Minister wies auf die Arbeitsbelastung der Polizei hin, die im vergangenen Jahr unter anderem durch die wochenlangen Proteste gegen das Bahnprojekt Stuttgart 21 besonders hoch war. Auch die Überwachung rückfallgefährdeter Sexualstraftäter und die Bedrohung durch den islamistischen Terrorismus habe den Beamten viel abverlangt. Für die Vergütung der Überstunden wurden 1,4 Millionen Euro zur Verfügung gestellt und weitere 5 Millionen Euro reserviert, um absehbare Mehrbelastungen im laufenden Jahr ausgleichen zu können.

Das Land hat nach Rechs Worten auch Konsequenzen aus den Amokläufen in Winnenden und Lörrach gezogen: Die Schutzausstattung der Beamten wurde für 3,5 Millionen Euro verbessert. Dazu gehören unter anderem zwei schusssichere Helme für jeden Streifenwagen. dpa

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