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Rocker kontra Türsteher - Hells Angels, United Tribuns, Black Jackets, Gremium, Red Legion

© dpa
25.03.2018

Straßengang «Osmanen» bewachte Flüchtlingsheime in Südbaden

Stuttgart (dpa/lsw) - Angehörige der türkisch-nationalistischen Straßengang «Osmanen Germania» haben eine Zeit lang in Südbaden als Wachmänner in Flüchtlingsheimen gearbeitet. Ein Sprecher des Landkreises Lörrach bestätigte am Wochenende einen entsprechenden Bericht des Nachrichtenmagazins «Spiegel». Demnach waren «Osmanen» zu Dutzenden als Wachmänner tätig - und bekamen über Umwege staatliches Geld.

Die Ermittler gingen davon aus, dass die «Osmanen» 2016 zeitweise 50 Mitglieder für acht Unterkünfte im Landkreis Lörrach stellten, heißt es im «Spiegel»-Bericht. Die Aufträge erhielten sie ohne Wissen des Landkreises offenbar von einem Sub-Subunternehmer, wie Landkreissprecher Torben Pahl auf Anfrage mitteilte.

Der Kreis habe die Bewachung der Unterkünfte an ein Sicherheitsunternehmen abgegeben, das habe wiederum einen Subunternehmer beauftragt und vom Einsatz der «Osmanen» nichts gewusst. Prahls Angaben zufolge ging es um einen Zeitraum von Ende 2015 bis Ende 2016, in dem die «Osmanen» tätig waren. Der Landkreis habe davon erst im März 2017 erfahren.

Grünen-Innenexperte Uli Sckerl sprach am Sonntag von einem «unerhörten Vorgang» und forderte das Innenministerium zur sofortigen Aufklärung auf. Es müsse geklärt werden, wie die «Osmanen» ihre Leute in Flüchtlingsheimen einschleusen konnten. «Und es muss aufgeklärt werden, ob die Gangmitglieder dort für Straftaten verantwortlich sind oder Straftaten angestiftet haben.» Es brauche hartes Durchgreifen gegen die nationaltürkische Rockergruppe.

Dass die «Osmanen» gegen Entlohnung Flüchtlingsheime bewacht haben «geht gar nicht», sagte auch der FDP-Bundestagsabgeordnete aus dem Wahlkreis Lörrach und Kreisrat Christoph Hoffmann. Der Rockerclub «Osmanen Germania BC» habe «erstaunlich gute Beziehungen zum türkischen Staat – bis nach ganz oben». Es brauche eine lückenlose Aufklärung im Landkreis. «Wenn von Handwerkern eine Nachunternehmerhaftung verlangt wird, muss der Kreis sich auch ein klares Bild über Subunternehmer verschaffen.»

In Hessen würden die «Osmanen» seit drei Jahren vom Verfassungsschutz überwacht, sagte Hoffmann. Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobel (CDU) hingegen schaffe es nicht, der Gefahr zu begegnen. «Das Innenministerium hat zu wenig für die Überwachung der türkischen Beziehungsnetze getan. Auch deshalb, befürchte ich, ist der Landkreis nun betroffen.»

Acht bis zehn Euro sollen «Osmanen»-Mitglieder pro Stunde verdient haben, berichtet der «Spiegel» weiter. Der frühere «Weltpräsident» der «Osmanen» und sein Vize sollen oft eine Art Provision erhalten haben. So sollen allein im Februar 2016 mindestens 12 500 Euro an die Gang geflossen sein.

Gegen beide beginnt am Montag im Hochsicherheitssaal am Gefängnis Stuttgart-Stammheim ein Prozess des Landgerichts Stuttgart. Die Staatsanwaltschaft wirft insgesamt acht Bandenmitgliedern unter anderem versuchten Mord, Freiheitsberaubung, Körperverletzung, Zwangsprostitution, Erpressung, Drogenhandel und Nötigung vor.