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Zeitungsredakteure streiken gegen die geplante Tarifkürzung. Foto: dpa
Streikende Journalisten mit Lichtreklame © dpa
29.07.2011

Streikende Journalisten mit Lichtreklame

STUTTGART. Mit einer Lichtaktion haben streikende Redakteure in Stuttgart für Qualitätsjournalismus geworben. Unter dem Motto «Worte sind wertvoll» wurden am Donnerstagabend zahlreiche Motive auf die Mauern des Landesmuseums projiziert. Botschaft: «Damit Journalismus weiterhin Werte schätzt, Wertschätzung erfährt und nicht unter Wert gehandelt wird», so die Veranstalter.  

Die Zeitungsverleger gefährdeten im aktuellen Tarifkonflikt die Grundlagen des Qualitätsjournalismus, sagte Verdi-Medienfachmann Gerhard Manthey: «Wir sind gegen eine reine Sparpolitik.» Der Beruf des Journalisten dürfe nicht abgewertet werden.

 

In Baden-Württemberg streiken seit rund drei Wochen zahlreiche Redakteure. Auch in Bayern und Nordrhein-Westfalen hatte sich bei Urabstimmungen eine große Mehrheit für einen unbefristeten Streik ausgesprochen. Die Tarifverhandlungen für die 14 000 Zeitungsredakteure werden am 2. August in Hamburg fortgesetzt. Die Gewerkschaften befürchten massive Einkommensverluste speziell bei Berufseinsteigern.

 

Aktuell laufen im Südwesten vorbereitende Sondierungsgespräche. Nach Darstellung von Manthey sind die Gewerkschaften nicht gegen Sparmöglichkeiten generell: «Es geht um ein zukunftsweisendes Tarifwerk, ein Gesamtpaket, mit dem man da und dort auch Geld sparen könnte.» Mit Blick auf die diskutierte Öffnungsklausel bei wirtschaftlicher Notlage von Verlagen betonte Manthey, dass die Definition einer Notlage genau geklärt sein müsse. Das könne nicht allein der Verleger. Dieser Schritt müsse von unabhängigen Wirtschaftsfachleuten begleitet werden. Nach seiner Darstellung ist trotz der Zeitungskrise die Rendite in den Medienhäusern oft noch weit von einer Notlage entfernt.

 

Auch die Verleger in Baden-Württemberg betonen die Notwendigkeit fairer Gehälter. Allerdings müsse es möglich sein, die unterschiedliche Kaufkraft zu berücksichtigen. Ein Einstiegsgehalt von knapp 3000 Euro für Redakteure sei in Ballungsräumen anders zu bewerten als in vielen eher ländlichen Gebieten, sagte der Geschäftsführer des Verbands Südwestdeutscher Zeitungsverleger (VSZV), Stephan Bourauel. Wer den Flächenvertrag retten wolle, müsse von einem niedrigeren Niveau kommen und in teureren Städte gegebenenfalls übertarifliche Zulagen anbieten.

 

«Wenn sich die Gewerkschaften nicht bewegen, wird der Flächentarif auseinanderbrechen», warnte Bourauel. Die Verlage in Norddeutschland setzten rund 30 Prozent weniger um als die Medienhäuser in Süddeutschland. Auf diese unterschiedliche Ausgangssituation müssten die Tarifpartner eine Antwort finden.

 

Vor der 9. bundesweiten Verhandlungsrunde sieht Bourauel die Lage kritisch. «Es besteht die reale Gefahr des Scheiterns, wenn es bei den Sondierungen nicht zu Lösungsskizzen kommt.» Tarifverträge in der Medienbranche seien keine Selbstverständlichkeit. «Ich habe noch nie von einem Streik bei einem Internetunternehmen gehört.» dpa