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12.09.2015

Studentenwerk warnt vor Wohnungsnot durch Flüchtlinge

Die steigende Zahl an Flüchtlingen wird nach Ansicht des Deutschen Studentenwerks die Wohnungsnot in Großstädten auf Dauer verschärfen. Zwar würden Asylbewerber zunächst nicht auf dem ersten Wohnungsmarkt mit Studenten bei der Suche nach einer Bleibe konkurrieren, sagte Georg Schlanzke, Sprecher des Deutschen Studentenwerks.

«Aber wenn sie eine Aufenthaltsberechtigung erhalten, kann es unter einkommensschwachen Gruppen zu einer Konkurrenzsituation kommen.» Das Studentenwerk warnt vor einem schärferen Wettbewerb vor allem im preiswerten Wohnungsmarkt.

Mittelfristig herrsche durch die steigende Zahl an Flüchtlingen mehr Nachfrage nach Wohnraum in Ballungsgebieten. Besonders angespannt sei die Situation im Südwesten. «Tübingen, Freiburg, Heidelberg, Konstanz - gerade in Baden-Württemberg gibt es viele klassische Studentenstädte», sagt Schlanzke. «Deshalb unser Appell für mehr Wohnheimplätze.» Denn: «Die Studenten, die im Wohnheim sind, konkurrieren nicht auf dem freien Wohnungsmarkt.»

Die Studentenwerke bundesweit wappnen sich wieder für die Studienanfänger im Wintersemester. Sie rechnen mit einer halben Million Studienanfängern bundesweit. «Es wird bundesweit wieder ein schlimmes Wintersemester werden», sagte Schlanzke. Es gebe rund 40 Prozent mehr Studienanfänger als vor zehn Jahren, aber nur 5 Prozent mehr Wohnheimplätze. Er empfehle allen Erstsemestern, sich rechtzeitig nach einer Bleibe umzusehen.

Sollte es zu Beginn des Wintersemesters im Oktober und November zu Engpässen kommen, würden Notunterkünfte in den Gemeinschaftsräumen der Heime kurzfristig eingerichtet. Privatleute könnten außerdem Studenten zur Untermiete aufnehmen. Allerdings brauche es für Studenten im Gegensatz zu Flüchtlingen meist nur Notunterkünfte für die ersten Wochen. «Eine komplette Kaserne herzurichten ist kein vertretbarer Aufwand», sagte Schlanzke.

Bald geht die heiße Phase der Vergabe von Wohnheimplätzen auch in der Universitätsstadt Tübingen los. «Wir versuchen, wie immer, möglichst viele Erstsemester unterzubringen», sagte Nicole Lange, Sprecherin des Studierendenwerks Tübingen-Hohenheim. Auch hier seien im Fall von Engpässen zu Beginn des Wintersemesters Notunterkünfte in den Gemeinschaftsräumen der Heime geplant.

Pläne, Asylsuchende und Studenten gemeinsam in Tübinger Wohnheimen unterzubringen habe es zunächst keine gegeben. «Wir sind in erster Linie für die soziale Betreuung von Studierenden zuständig», sagte Lange. Wenn das Szenario sich dahingehend entwickeln sollte, könne sie sich ein Flüchtlings-Studenten-Konzept durchaus vorstellen. «Aber unsere Wohnheime sind aus Erfahrung immer proppenvoll», so Lange.

Am gravierendsten sei die Lage vor zwei Jahren gewesen, als die doppelten Abiturjahrgänge die Universitäten stürmten. «Unsere Kolleginnen werden in den kommenden Wochen bald wieder gut zu tun haben», sagte Lange. Aktuelle Zahlen gibt es noch keine. Diese werden vom Studierendenwerk zum Monatsende erhoben.

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