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Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen, rechts) und der Minister für Finanzen und Wirtschaft, Nils Schmid (SPD), haben Grund zur Freude. Der Mittelstand im Südwesten ist mit den politischen Rahmenbedingungen laut einer Studie so zufrieden wie in keinem anderen Bundesland.
Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen, rechts) und der Minister für Finanzen und Wirtschaft, Nils Schmid (SPD), haben Grund zur Freude. Der Mittelstand im Südwesten ist mit den politischen Rahmenbedingungen laut einer Studie so zufrieden wie in keinem anderen Bundesland. © dpa
16.03.2012

Studie: Südwest-Mittelstand singt Loblied auf Grün-Rot

Der Mittelstand in Baden-Württemberg stellt der grün-roten Regierung einer Studie zufolge ein überragend gutes Zeugnis aus. Das Rückgrat der Wirtschaft im Südwesten ist mit den aktuellen politischen Rahmenbedingungen so zufrieden wie in keinem anderen Bundesland. Das geht aus einer repräsentativen Studie der Stuttgarter Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young hervor. Demnach ernten Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) und seine Koalition Traumnoten und schaffen im Vergleich zur beendeten Ägide von Schwarz-Gelb mit Stefan Mappus (CDU) an der Spitze teils große Sprünge.

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Grün-Rot ist besser als Schwarz-Gelb 51%
Grün-Rot ist schlechter als Schwarz-Gelb 30%
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Auf den ersten Blick verwundert das Ergebnis. So hatte Kretschmann gleich zu Anfang seiner Amtszeit mit dem Satz «Weniger Autos sind besser als mehr» für gehörigen Wirbel gesorgt - im Südwesten ist die Autoindustrie mit ihren vielen mittelständisch geprägten Zulieferern der Platzhirsch der Wirtschaft. Auch Kretschmanns defensive Linie beim Straßenausbau und Fragen der heiklen Energiewende hatten dem Ministerpräsidenten so manch eine kritische Stimme eingebracht. Obendrein sind Kretschmanns Grüne erklärte Stuttgart-21-Gegner. Die Unternehmen in Baden-Württemberg sind aber mehrheitlich für das Großprojekt.

In der Studie findet all das offensichtlich wenig Niederschlag. In der im Januar erhobenen Analyse stößt Baden-Württemberg sogar den Musterschüler Bayern vom Thron, wo das konservative Bündnis aus CSU und FDP regiert. Die für die Studie von Ernst & Young beauftragten Marktforscher fragten bei rund 400 repräsentativ ausgewählten Südwest-Mittelständlern fünf Kategorien ab. Bei der Förder- und Mittelstandspolitik sowie bei der Infrastrukturpolitik belegt das «Ländle» Rang eins. Bei den Themen regionale Rahmenbedingungen und Bildungspolitik ist es im Vergleich der 16 Länder der zweite Platz.

Besonders ins Auge sticht der Sprung bei der Infrastrukturpolitik: von Platz sieben im Vorjahr auf Platz eins. Eine mögliche Erklärung könnte die Entscheidung pro Stuttgart 21 sein. Für das Mammutprojekt hatten viele Unternehmensverbände und Betriebe getrommelt. Anders als die Grünen ist ihr Partner SPD dafür.

Mit dem Blick auf die Studienergebnisse der Vorjahre relativiert sich der Erfolg allerdings ein wenig. Unter der Vorgängerregierung Schwarz-Gelb hatte es in vielen Kategorien auch schon Spitzenplätze gegeben, die unter Grün-Rot nun jedoch teils noch besser ausfallen.

Auf dem Feld Rahmenbedingungen, das eine gewisse Grundstimmung abfragt, rangierte Baden-Württemberg seit 2007 stets auf den ersten zwei Plätzen. Bei der Bildungspolitik war es nach einem miserablen zwölften Platz 2007 in den Folgejahren genauso, seit 2010 steht das Land dort auf dem guten zweiten Platz. Beim Thema Mittelstandspolitik war es 2007 mit Platz 14 fast die rote Laterne im Ländervergleich, dann aber gelang im Folgejahr aus dem Stand der Sprung auf Rang zwei, wo sich der Südwesten bis 2011 hielt und nun den Sieg einfuhr.

Bei der Förderpolitik ist die Verbesserung dagegen - neben dem Sprung bei der Infrastruktur - am stärksten spürbar: Zwischen Rang sieben und drei pendelte Baden-Württemberg seit 2007, nun ist es auch bei der Förderpolitik der Spitzenplatz. In der Summe hat der Regierungswechsel die heimischen Unternehmen also nicht verschreckt. Nach knapp einem Jahr haben sie eher mehr Lob übrig.

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