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Die 19 Jahre alte körperbehinderte Kim Väth (Mitte) arbeitet in ihrer Abiturklasse am Humboldt-Gymnasium in Karlsruhe (Baden-Württemberg) mit ihren Mitschülern David und Alica.
Die 19 Jahre alte körperbehinderte Kim Väth (Mitte) arbeitet in ihrer Abiturklasse am Humboldt-Gymnasium in Karlsruhe (Baden-Württemberg) mit ihren Mitschülern David und Alica. © dpa
18.03.2013

Studie: Südwesten stagniert bei Teilhabe behinderter Schüler

Stuttgart. Die Teilhabe behinderter Schüler an Regelschulen (Inklusion) im Südwesten kommt nach einer Studie nur schleppend voran. Zwar liegt der Anteil der behinderten Schüler an Regelschulen mit 27,7 Prozent über dem Bundesschnitt von 25 Prozent, hat sich in den vergangenen vier Jahren aber kaum verändert, heißt es in einer Untersuchung der Bertelsmann-Stiftung, deren Ergebnis am Montag vorgestellt wurde.

Das Kultusministerium hatte sein für 2013/14 angekündigtes Gesetz zur Inklusion um ein Jahr verschoben. Die Lehrergewerkschaft GEW mahnt mehr Ressourcen für den in Inklusions-Klassen versprochenen Tandem-Unterricht von zwei Lehrkräften, darunter ein Sonderpädagoge, an. Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann-Stiftung, betonte, dass erfolgreiche Inklusion zusätzlicher Investitionen bedürfe. Für den Südwesten sei ein Zusatzbedarf von jährlich 22 Millionen Euro für 310 zusätzliche Lehrkräfte benötigt, selbst wenn die Mittel der Sonderschulen weitgehend an die Regelschulen umgeschichtet werden sollten.

Zudem stieg laut der Studie der Anteil der Sonderschüler in Baden-Württemberg zwischen Anfang 2009, als Deutschland die UN-Konvention über die Rechte behinderter Menschen ratifizierte, von 4,7 Prozent aller Schüler auf fünf Prozent im vergangenen Schuljahr. Das ist laut Professor Klaus Klemm, der die Studie erstellte, der höchste Anstieg bundesweit.

Der Bildungsökonom erklärt das unter anderem damit, dass bei immer mehr Kindern sonderpädagogischer Förderungsbedarf festgestellt wird. Im Jahr 2009 hatte demnach der Förderbedarf an der gesamten Schülerschaft bei 6,4 Prozent gelegen, 2012 bei 6,9 Prozent und damit über dem Bundesschnitt von 6,4 Prozent.

Die Studie stellt Baden-Württemberg für die Inklusion an der Grundschule ein besseres Zeugnis aus als bei der Teilhabe in der weiterführenden Schule. Fast jeder zweite Grundschüler (49 Prozent) mit Förderbedarf geht auf die reguläre Grundschule, das sind neun Prozentpunkte mehr als im Bundesschnitt. In der fünften bis zehnten Klasse sind es dagegen mit 15,5 Prozent fast sieben Prozentpunkte weniger als im Bundesschnitt (22 Prozent).