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26.08.2010

Stuttgart 21: Massiver Protest und chaotische Zustände

STUTTGART. Unter heftigem Protest tausender Demonstranten hat in Stuttgart der Abbruch des denkmalgeschützten Kopfbahnhofs nun richtig begonnen. Ein Bagger riss am Mittwoch eine Seitenmauer des Nordflügels ein. Ein Großaufgebot der Polizei sicherte die Baustelle für das umstrittene Bahnprojekt Stuttgart 21 ab. Es herrschten chaotische Zustände. Demonstranten veranstalteten eine Sitzblockade vor dem Bauzaun - einige wurden später weggetragen.

Bildergalerie: Proteste gegen "Stuttgart 21"

Am Abend kletterten sieben Aktivisten auf das Dach des Nordflügels und enthüllten ein Protestplakat. Die Gegner wollen dort ausharren bis Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU ) den Abriss stoppt.

Einer der Initiatoren des Protestes gegen das Milliarden- Bahnprojekt, Fritz Mielert, kündigte eine Dauerblockade mindestens bis Freitag an. Mit einer Sitzblockade sollen Demonstranten Lastwagen daran hindern, auf das Gelände zu fahren. Es sollen noch andere nicht näher genannte Aktionen in den nächsten Tagen folgen. Für Freitagabend war zudem eine Großdemonstration mit Menschenkette um den nahe gelegenen Landtag geplant.

Im Bahnhof hinderten am Mittwochabend Demonstranten für rund eine Stunde einen TGV-Schnellzug in Richtung Paris an der Abfahrt. Die Bundespolizei sperrte aus Sicherheitsgründen die daneben liegenden Gleise ab. Es kam zu Verspätungen im Bahnverkehr. Zudem gab es in der Stadt zahlreiche Staus durch Blockaden an drei großen Kreuzungen und zwei Bundesstraßen.

Nach Ansicht der Polizei haben die Proteste am Mittwoch "ihren friedlichen Charakter verloren". Feuerwehr und Rettungskräfte seien behindert und bedrängt sowie Besucher eines Weinfestes mit Eiern beworfen worden. Zudem seien aus Gruppen von Straßenblockierern Flaschen geflogen. "Dies hat mit verständlichen Protesten sowie zivilem Ungehorsam bei weitem nichts mehr zu tun», klagte Polizeipräsident Siegfried Stumpf.

Die Initiatoren der Proteste weisen die Vorwürfe zurück. "Generell versucht die Politik uns über die Polizei zu kriminalisieren", sagte Matthias von Herrmann, Sprecher der sogenannten Parkschützer. Alles sei friedlich geblieben. Nach seinen Angaben demonstrierten am Mittwoch rund 12 000 Menschen in der Stadt, die Polizei sprach von 6000. Am Donnerstagmorgen harrten immer noch "ein paar hundert Demonstranten" aus, wie ein Sprecher sagte.

Bei dem 4,1 Milliarden Euro teuren Vorhaben wird der Kopfbahnhof in eine unterirdische Durchgangsstation umgewandelt, mit einem unterirdischen Ring an die Zulaufstrecken und mit einem Tunnel an den Flughafen und die Schnellbahnstrecke nach Ulm angebunden. Seit Wochen protestieren tausende Menschen gegen das Milliardenprojekt. Am Mittwochabend sogar auch in New York: Knapp zehn Deutsche demonstrierten mit Trillerpfeifen und Gegröle auf dem Times Square gegen das Bauvorhaben.