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Nach Massendemo gegen Stuttgart 21 Ruhe im Schlossgarten © dpa
02.10.2010

Stuttgart 21: Nach Massendemo Ruhe im Schlossgarten

STUTTGART. Am Tag nach der bislang größten Demonstration gegen das Bahnprojekt Stuttgart 21 ist die Stimmung im Schlossgarten ruhig und friedlich. Über hundert Gegner sitzen oder stehen am Samstagmorgen auf der total zertrampelten Wiese, die am Donnerstag zum Schlachtfeld zwischen hunderten Polizisten und tausenden Demonstranten wurde. Einige Aktivisten sind noch müde, viele aber auch sauer.

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Der Stuttgarter Stephan Raufer ärgert sich massiv über die Politik der schwarz-gelben Landesregierung in Baden- Württemberg. „Die wollen nur die planierte Fläche sehen. Das ganze Projekt soll einfach durchgezogen werden.“ Raufer spricht vielen Gegnern aus dem Herzen. Bis zu 100 000 waren am Freitagabend mit dieser Botschaft auf die Straße gegangen. Die Polizei sprach von 50 000 Demonstranten.

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Auf den Stufen des Rondells am Rande des Schlossgartens sitzt ein 18-Jähriger in seinem Schlafsack. Er campierte unter dem Vordach mit mehreren Aktivisten die Nacht über. „Ich habe schon öfters im Park übernachtet“, erklärt der junge Mann, der gerade ein Freiwilliges Soziales Jahr absolviert. Manche der Gegner verbrachten die Nacht aber auch unter aufgestellten Sonnenschirmen oder in improvisierten Zelten aus Planen oder Plastiktüten.

Die Rasenfläche ist matschig. Die Nacht über hat es geregnet. Die Stimmung nach der Großdemonstration am Freitagabend sei friedlich und entspannt, erklärt der 18-Jährige während die Baggerarbeiten fortgesetzt werden.

Von der Ferne ist das Geräusch eines Presslufthammers zu hören. Es wird am Fundament für die Grundwasserregulierung gearbeitet. Die Bauarbeiter sind unter Polizeischutz tätig, hinter grünen Absperrgittern. Alle paar Meter stehen Beamte in kleinen Gruppen in ihren grünen Regencapes. Manche der Polizisten unterhalten sich mit Gegnern des Bahnprojekts an den Gittern. Die Polizei ist nur im Bereich des abgesperrten Geländes zu sehen. Sonst hält sie sich demonstrativ zurück.

Hintergrund der neuen Taktik ist wahrscheinlich die harsche Kritik an dem Einsatz mit Wasserwerfer, Pfefferspray und Schlagstöcken vom vergangenen Donnerstag bei dem hunderte Protestierer verletzt wurden. Um die Bäume und auf den Rasenflächen stehen immer wieder Grableuchten. Ein Aktivist von Robin Wood stellt sie vor einem besetzten Baum wieder auf und zündet sie an. Eine 27 Jahre alte Frau, die eigenen Angaben zufolge eine Woche auch an der Baumbesetzung beteiligt war, berichtet: „Oben auf dem Baum bleibt man trocken.“

Während manch ein Jogger seine Runden in dem Park läuft, säubern Mitarbeiter des städtischen Reinigungsdienstes die Wege und räumen den Müll weg. An den Bäumen hängen Plakate, die den Rücktritt von Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) fordern. Ein 38 Jahre alter Familienvater, der seinen Namen nicht nennen wollte, macht mit seinem Mobiltelefon Fotos von der gesamten Szenerie. Der Mann aus Hagen ist mit seiner Frau und seinem kleinen Sohn unterwegs. Warum kommt er in den Park? „Ich will mir das mal selber ansehen. Ich habe die Bilder vom Donnerstag im Fernsehen gesehen.“