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Stuttgart 21

Halten am Flughafen künftig nur S-Bahnen und Intercitys? Foto: dpa
Halten am Flughafen künftig nur S-Bahnen und Intercitys? Foto: dpa
09.01.2018

Stuttgart 21: Nun soll der Flughafen doch nicht von der ICE-Verbindung profitieren

Stuttgart. In seltener Einigkeit gehen der Grüne Winfried Kretschmann und der CDU-Mann Georg Brunnhuber mit den Betriebsplänen für Stuttgart 21 ins Gericht. Der Landesflughafen dürfe nicht abgehängt werden, sagen beide unisono. Eine womöglich ausgedünnte Anbindung des geplanten Bahnhofs am Landesflughafen an die Neubaustrecke nach Ulm ist nach den Worten von Ministerpräsident Kretschmann nicht akzeptabel.

Eine getaktete Anbindung des Stuttgarter Airports mit Zeitgewinnen für die Fahrgäste sei eines der wichtigsten Argumente der Befürworter des Bahnprojektes Stuttgart 21 und Grundlage der Volksabstimmung gewesen, sagte der Regierungschef in Stuttgart. Wenn jetzt gemachte Versprechungen zurückgenommen würden, werfe das Legitimationsprobleme auf. Auch der Stuttgart-21-freundliche Verein Bahnprojekt Stuttgart-Ulm sprach sich gegen die Pläne der DB Fernverkehr aus.

Zuvor war bekanntgeworden, dass die Bahn den Flughafen nicht wie versprochen im Zwei-Stunden-Takt mit IC-Zügen zwischen Stuttgart und Ulm anfahren will. Laut Bahn sind zwischen Ulm und Flughafen voraussichtlich drei tägliche IC-Zugpaare geplant. ICE-Fahrten zwischen Stuttgart und München sind laut einer Antwort des Verkehrsministeriums auf eine SPD-Anfrage im Halb-Stunden-Takt geplant – sie sollen aber nicht an Flughafen und Landesmesse halten.

„Wenn dort zukünftig keine ICE zumindest im Stundentakt halten, ernten wir zu Recht Unverständnis von allen Seiten“, sagte Vereinschef Georg Brunnhuber. Die Aussagen der DB Fernverkehr seien eine nicht nachvollziehbare Abkehr von allen bisher getroffenen Aus- und Zusagen. „Das ist weder für die Bahn noch für die Projektpartner hinnehmbar.“ Er werde sich für ein sinnvolles Betriebskonzept einsetzen, sagte der frühere CDU-Bundestagsabgeordnete. Nach Worten von Kretschmann dürfen Mehrkosten bei Stuttgart 21 nicht dazu führen, dass die Bauherrin Bahn sich nicht mehr an den Volksentscheid und seine Voraussetzungen gebunden fühle. Er räumte allerdings ein, dass die eigenständige Konzerntochter Deutsche Bahn Fernverkehr kein Projektpartner des Landes sei. „Wir haben darauf keinen direkten Einfluss.“

Stecken Mehrkosten dahinter?

Die Deutsche Bahn reagierte auf die Kritik mit dem Hinweis, dass sie zu ihren Zusagen für die Anbindung des Stuttgarter Flughafens an das Fernverkehrsnetz stehe. Konkrete Angaben zum Zugangebot könnten aber frühestens zwei Jahre vor der Inbetriebnahme gemacht werden. Ziel des Vereins Bahnprojekt Stuttgart-Ulm, in dem alle Projektpartner vertreten sind, ist nach Angaben eines Sprechers die Vorteile des Milliardenvorhabens zu kommunizieren.