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07.02.2011

Stuttgart 21: Verpflanzung erster Bäume ab Dienstag

STUTTGART. Im Konflikt um das Bahnprojekt Stuttgart 21 drohen von diesem Dienstag an wieder neue Proteste. 16 Bäume vor dem Nordausgang des Hauptbahnhofs sollen an neue Standorte in verschiedenen Stuttgarter Stadtteilen versetzt werden. Wann genau die mehrtägigen Umpflanzarbeiten beginnen, gaben die Sprecher des Bahnprojekts Stuttgart 21 am Montag nicht bekannt. Weitere 13 Bäume am Kurt-Georg-Kiesinger-Platz werden im Herbst folgen. Bereits vergangene Woche hatten Gegner des umstrittenen Milliardenprojekts gegen die Aktion protestiert. „Wir mobilisieren“, sagte der Sprecher der „Parkschützer“, Matthias von Herrmann. Die Polizei rüstet sich mit einigen hundert Beamten für den Einsatz.

Es gebe keine Verpflichtung, diese Bäume zu verpflanzen, betonte Udo Andriof, Sprecher des Bahnprojekts Stuttgart 21. Die Baugenehmigung gebe der Bahn das Recht, die rund 40 Jahre alten Bäume zu fällen, und auch das Verpflanzungsgebot des Schlichterspruches schließe sie mit nicht ein. Die Aktion sei ein Zeichen des guten Willens an die Gegner. Die Bäume sollen weichen, um den Bauarbeiten an einem unterirdischen Technikgebäude für den neuen Tunnelbahnhof Platz zu machen. Die Verpflanzung kostet nach Angaben von Andriof rund 200 000 Euro, die von der Bahn getragen werden.

Baumfachmann Werner Koch vom Stuttgarter Garten-, Friedhofs- und Forstamt sagte: „Wir waren der Meinung, dass das Versetzen dieser Bäume durchaus möglich ist.“ Es sei auch wirtschaftlich vertretbar. Das größte Exemplar sei ein Götterbaum mit einem Stammumfang von 1,80 Metern, das zweitgrößte ein Eisenbaum mit 1,50 Metern. Beide seien „durchaus selten“. Sechs Platanen hätten einen Stammumfang von 90 bis 110 Zentimetern, der Rest sei kleiner.

Die Parkschützer haben am Montag mehr als 32 000 Gegner des Milliardenprojekts informiert, teilte von Herrmann mit. Weil es jetzt konkret werde, hoffe er auf mehrere hundert Teilnehmer bei Mahnwache und Protesten am Dienstag, sagte er. „Vielleicht kommen sogar mehrere tausend.“ Die „Parkschützer“ wollen die Bäume an dieser Stelle erhalten. Sie hätten eine wichtige Funktion als Staub- und Abgasfilter an der vielbefahrenen Kreuzung. Zudem böten sie Vögeln und Insekten einen wichtigen Lebensraum.v

Schon im Vorfeld hatte es einige Spekulationen um die Verpflanzung der Bäume gegeben. Rund 200 Gegner hatten nach Angaben der „Parkschützer“ in der Nacht zum Freitag am Hauptbahnhof Wache gehalten, um sich gegebenenfalls den Bauarbeiten entgegenzustellen.

Beim Fällen erster Bäume für das Milliardenprojekt im Herbst war es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Stuttgart-21-Gegnern und der Polizei gekommen. Weit mehr als hundert Demonstranten waren verletzt worden.