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Stuttgarter Fernsehturm bleibt weiter geschlossen.
Stuttgarter Fernsehturm bleibt weiter geschlossen. © dpa
24.09.2014

Stuttgarter Fernsehturm bleibt noch ein Jahr gesperrt

Der Brandschutz am gesperrten Stuttgarter Fernsehturm wird deutlich teurer als erwartet. Aktuell gehe man von 1,8 Millionen Euro für die insgesamt 80 Einzelmaßnahmen an dem Wahrzeichen aus, bestätigte SWR Media Services am Mittwoch.

Bislang stand stets eine Summe von 1,2 Millionen Euro im Raum. Bis zur Wiedereröffnung des fast 60 Jahre alten und weltweit ersten Fernsehturms wird noch gut ein Jahr vergehen. Stolz steht er hoch über dem Stuttgarter Talkessel, doch rund um das Meisterwerk des Architekten Fritz Leonhardt ist es still. Ab und an lasse man den Aufzug fahren, «nur damit er in Bewegung bleibt», sagt Techniker Matthias Buck auf der 150 Meter hohen Plattform, auf der normalerweise Touristen die atemberaubende Aussicht genießen. Auch die Veranstaltungsplattform ist an diesem Morgen menschenleer.

Die Stadt hatte den 217 Meter hohen Turm Ende März 2013 aus Brandschutzgründen überraschend schließen lassen. «Anlass war damals, dass wir die Nutzungsgenehmigung für die Veranstaltungsebene verlängern lassen wollten», berichtet der Geschäftsführer von SWR Media Services, Siegfried Dannwolf. Es fehle ein zweiter Fluchtweg in dem Denkmal, hieß es damals.

Seither bastelte man an einem neuen Brandschutzkonzept, das jetzt steht und umgesetzt wird. Laut SWR sollen die Arbeiten im Turm im Januar beginnen, vermutlich im Oktober 2015 könnte der Turm inklusive der beliebten Aussichtsplattform, der Veranstaltungsebene und der Gastronomie am Fuß des Turms wiedereröffnet werden. Die Stadt beteiligt sich an den Kosten weiter mit 600 000 Euro. Anfangs wäre das die Hälfte gewesen, jetzt ist es noch ein Drittel. Der Rest bleibt beim Nutzer SWR.

Rund 80 Maßnahmen listet das neue Konzept auf. Und das, obwohl man «immer auf dem aktuellen Stand gewesen» sei, wie Dannwolf betont. 57 Jahre ohne Schadensfall, über 25 Millionen Besucher ohne Schadensfall. Erst 2010 habe es eine umfangreiche Sanierung gegeben. Seit der Brandkatastrophe im Moskauer TV-Turm Ostankino im Jahr 2000 mit mehreren Toten seien 6,5 Millionen Euro in den Brandschutz investiert worden - inklusive neuer Wandverkleidungen aus Alu und spezieller Möbel, die höchste Brandschutzklassen erfüllen.

In Moskau sei der Brand an einem überhitzen Hochfrequenzkabel entstanden, so Buck. Mehrere solcher dicken UKW-Kabel des SWR laufen auch im Schaft des Stuttgarter Turm nach oben. Sie werden jetzt erneuert, was aber routinemäßig geschehe und mit den Auflagen nichts zu tun habe, so Dannwolf. Sie erhalten aber alle 1,50 Meter Schotten, damit sich ein Feuer nicht ausbreiten könnte. Kern des neuen Konzepts ist die feuerfeste Einhausung der 20 bis 30 anderen Steuerungs- oder Infotechnik-Kabel, die nach oben geführt werden.

Langwierig sei das Ganze, weil «gar nichts standardisiert» ist, berichtet Dannwolf. Heißt: Es gibt kein Konzept, das man eins zu eins auf Stuttgarts Turm übertragen konnte. Im Ergebnis werde der Besucher dann im Herbst 2015 kaum Veränderungen feststellen. Und der monierte fehlende Rettungsweg ist auch kein Thema mehr: Als erster Rettungsweg gilt der Doppelaufzug, der laut Zulassung auch im Brandfall von der Feuerwehr bis zu 30 Minuten weiter betrieben werden kann, so Dannwolf. Alternativer Rettungsweg bleibt die Treppe im Schaft.