nach oben
Die Kandidaten für die Wahl zum Oberbürgermeister der baden-württembergischen Landeshauptstadt Stuttgart, Sebastian Turner (vone links, parteilos, von CDU unterstützt), Bettina Wilhelm (vorne Mitte, parteilos, von SPD unterstützt) und Fritz Kuhn (vorne rechts, Bündnis 90/Die Grünen), haben in der Liederhalle in Stuttgart neben anderen Kandidaten für die Oberbürgermeisterwahlen in der Landeshauptstadt ihr Programm vorgestellt.
Die Kandidaten für die Wahl zum Oberbürgermeister der baden-württembergischen Landeshauptstadt Stuttgart, Sebastian Turner (vone links, parteilos, von CDU unterstützt), Bettina Wilhelm (vorne Mitte, parteilos, von SPD unterstützt) und Fritz Kuhn (vorne rechts, Bündnis 90/Die Grünen), haben in der Liederhalle in Stuttgart neben anderen Kandidaten für die Oberbürgermeisterwahlen in der Landeshauptstadt ihr Programm vorgestellt. © dpa
25.09.2012

Stuttgarter OB-Kandidaten präsentieren Programme

Wirtschaft, Wohnraum und immer wieder Stuttgart 21: Mit diesen drei Kernthemen haben die Kandidaten für das Amt des Stuttgarter Oberbürgermeisters am Montag versucht, die Wähler zu erreichen. Es war eine Mischung aus Ernst und Spaß, mit der die 14 Kandidaten um den Applaus der Stuttgarter buhlten.

Und es war ein zweigeteiltes Werben: Denn während die Kandidaten der großen Parteien mit ihren politischen Konzepten um jede Wählerstimme warben, nutzten einige der als chancenlos geltenden Vertreter die große Bühne für kleine Späße. 1500 Menschen verfolgten die Veranstaltung in der Liederhalle, 2200 sahen den Internet-Stream.

Ein Hauptthema blieb dabei das Großprojekt Stuttgart 21. «Diesen Streit müssen wir überwinden», sagte der von CDU, FDP und Freien Wählern unterstützte Sebastian Turner mit Blick auf das Bahnhofsprojekt. Wichtiger seien engere Bindungen in den Nachbarschaften, bessere Bildung und die Stärkung der Wirtschaft.

Sein Kontrahent Fritz Kuhn (Grüne) erklärte, er werde das zustimmende Ergebnis des Volksentscheids achten, lehne das Bahnhofsprojekt aber weiterhin ab. Er forderte eine neue Baukultur und eine Stärkung der Kindertagesstätten in der Stadt. Dass Stuttgart mit einem grünen Oberbürgermeister und einem grünen Ministerpräsidenten allzu grün werden könnte, schloss er aus. «Eine Stadt, die den "Garten" im Namen trägt - Stuttgart - hat nie zu viel grün.»

Auch die von der SPD unterstützte unabhängige Kandidatin Bettina Wilhelm legte einen Schwerpunkt ihrer Rede auf Kitas, Bildung und bezahlbaren Wohnraum. «Mein Stuttgart ist eine Stadt, in der alle ein Zuhause finden, und zwar ein bezahlbares Zuhause», erklärte sie.

Neben diesen drei Kandidaten erntete auch der im Stuttgart-21-Streit sehr aktive Hannes Rockenbauch (Stuttgart Ökologisch Sozial, SÖS) großen Applaus seiner Unterstützer. Er betonte, die hohe Bürgerbeteiligung auch über das Bahnprojekt hinaus aufrechterhalten zu wollen. Pirat Harald Hermann forderte unter anderem mehr Geld für die Subkultur der Landeshauptstadt.

Die übrigen neun Kandidaten versuchten häufig, mit einzelnen Themenschwerpunkten zu überzeugen. Stephan Ossenkopp und Jens Loewe warnten vor den Folgen der Euro-Krise. Der parteilose Bernd Thomas Heier forderte den Abbau von Behindertenbarrieren. Ingenieur Ralph Schertlen lobte die Bedeutung der Landeshauptstadt als Industriestandort und forderte mehr Geld für Schulen. Der unabhängige Ulrich Weiler riet mit Blick auf die etablierten Parteien: «Schicken Sie meine freundlichen Vorredner zurück nach Berlin.» Wolfram Bernhardt meinte, die Wähler könnten sich am 7. Oktober nur fragen, welcher der Kandidaten das kleinere Übel sei. «Aber ist das denn alles, was man von der Politik erwarten darf?»

Mit teils lautstarkem Applaus wurden auch einige eher humorvolle Vorstellungen belohnt. Wolfgang Schmid forderte ein vereinfachtes Steuersystem, erklärte aber lapidar: «Der Rest wird später erklärt.» Werner Ressdorf wünschte sich einen freigelegten Nesenbach und kündigte zur Finanzierung eine Reise in seine wirtschaftsstarke brasilianische Heimat ein. Markus Vogt von der Satire-Gruppierung «Die Partei» distanzierte sich schließlich von den Kandidaten der anderen «Spaßparteien» und forderte stattdessen eine «kontrollierte Flutung» der Stadt.