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Parteiloser Turner CDU-Kandidat für Stuttgarter OB-Wahl
Parteiloser Turner CDU-Kandidat für Stuttgarter OB-Wahl
17.03.2012

Stuttgarter OB-Wahl: Turner nominiert, Renner enttäuscht

Stuttgart (dpa/lsw) - Die Stuttgarter CDU schickt einen Parteilosen in den Kampf um das Rathaus in der Landeshauptstadt: Der Unternehmer Sebastian Turner wurde beim Nominierungsparteitag des CDU-Kreisverbands überraschend klar mit zwei Dritteln der Stimmen gewählt.

Er setzte sich gegen den langjährigen Singener OB und früheren Landessozialminister Andreas Renner (CDU) durch. Der 45-jährige Werbeprofi («Wir können alles. Außer Hochdeutsch.») wird nun dem Grünen-Kandidaten Fritz Kuhn (56) Paroli bieten müssen. SPD und FDP haben noch keinen Kandidaten gekürt. Die Stuttgarter wählen am 7. Oktober einen Nachfolger für Wolfgang Schuster (CDU).

Turner erhielt 462 Stimmen von 696; auf seinen Konkurrenten Renner entfielen 231. Turner sprach von einem «überwältigenden» Ergebnis und läutete den Wahlkampf ein mit dem Ausruf: «Jetzt geht's los.»

Renner, seit mehr als drei Jahrzehnten CDU-Mitglied, zeigte sich «enttäuscht». Seine Niederlage führte er zum Teil auf eine Geldauflage wegen Titelmissbrauchs in Werbebroschüren zurück, zu der ihn die Stuttgarter Staatsanwaltschaft verdonnert hatte. Außerdem konstatierte der 52-Jährige mangelndes Selbstbewusstsein bei der Stuttgarter CDU, das wieder aufgebaut werden müsse. Er werde nun weiter als Lobbyist für den Energiekonzern EnBW in Berlin und Brüssel arbeiten; ein politisches Comeback schloss er nicht aus.

Turner hatte am Morgen mit einer humorvollen Ansprache um Stimmen geworben, garniert mit vielen persönlichen Anmerkungen. Er strebe eine «Bürgerstadt» an, die vom Engagement ihrer Bürger lebe. Es sei ein Vorteil, nicht aus dem Politikbetrieb zu kommen, um als Überparteilicher Stimmen auch aus dem nicht-bürgerlichen Lager holen zu können, sagte der Gesellschafter mehrerer Firmen, der in Stuttgart aufgewachsen ist. Dies sei nötig, da das Stimmenpotenzial der CDU bei nur rund einem Drittel liege. Turner sagte, er habe die Unterstützung der Freien Wähler. Überdies habe die FDP signalisiert, in einem zweiten Wahlgang zum CDU-Kandidaten zu stehen.

Beim umstrittenen Bahnvorhaben Stuttgart 21 wolle er versuchen, Gräben zuzuschütten. «Das, was die Stadt gespalten hat, kann sie auch wieder versöhnen - die Leidenschaft für diese Stadt.» Turner warnte vor einem OB der Grünen, der alles tun werde, das Milliardenvorhaben zu verzögern und zu verteuern. Er stehe dafür, dass der Kosten- und Zeitrahmen eingehalten werde.

Für Stuttgarts CDU-Chef Stefan Kaufmann, der Turner vorgeschlagen hatte, dürfte die Wahl ein Triumph sein. Auch Alt-OB Manfred Rommel hatte sich am Samstagmorgen per Brief noch rasch für Turner ausgesprochen: «Er ist ein unabhängiger Kopf, der mit neuen Ideen die Stadt voranbringen kann.» Es gehe bei der Kandidatenkür nicht darum, ob und wie lange ein Kandidat CDU-Mitglied ist.

Renner hatte zuvor in einer nüchternen Rede vor allem auf seine Parteizugehörigkeit und seine «handfeste politische Erfahrung» in der Kommunal- und Landespolitik hingewiesen. «Es wird sehr wichtig sein für die CDU, ob die CDU das Rathaus behält», betonte Renner. Schließlich stünden 2014 Kommunalwahlen und im kommenden Jahr die Bundestagswahl an. CDU-Landeschef Thomas Strobl sagte später, mit Turner habe die CDU einen exzellenten Kandidaten, «der für Menschen aus allen Partien und aus allen Teilen der Bevölkerung wählbar ist.»