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Gorilla © wilhelma
18.01.2012

Stuttgarter Wilhelma nimmt verstoßenes Gorilla-Baby auf

Stuttgart. In der europäischen Aufzuchtstation für verwaiste oder von ihren Müttern nicht ausreichend versorgte Gorillababys in der Wilhelma ist ein weiterer Bewohner eingezogen: der neun Monate alte Okanda aus dem Twycross Zoo in Großbritannien. Er ist bereits das 60. hier aufwachsende Gorillakind.

Bildergalerie: Wilhelma nimmt verstoßenes Gorilla-Baby auf

Die Wilhelma begrüßte den kleinen Neuling mit einem weinenden und einem lachenden Auge: Denn einerseits ist es immer bedauerlich, wenn ein Menschenaffenkind nicht bei seiner leiblichen Mutter aufwachsen kann. Andererseits bekommt nun der bereits in der Station betreute Gorillajunge Tano aus Prag Gesellschaft.

Sechs Monate lang war alles gut gegangen: Okandas Mutter Ozala versorgte und säugte ihr am 17. April 2011 geborenes Baby vorbildlich. Doch plötzlich wurde Okanda zusehends schwächer. Die Pfleger nahmen Ozala den Kleinen vorsorglich ab, päppelten ihn auf und gaben ihn einen Tag später zurück. Erneut verschlechterte sich Okandas Zustand. Eine Untersuchung ergab, dass Ozalas Milch nicht mehr genug Nährstoffe enthielt. Somit blieb nur die Handaufzucht, wollte man das Leben des Gorillakindes nicht riskieren. Zunächst übernahmen dies die Pfleger in Twycross und versuchten dabei, den Kontakt zwischen Okanda und seiner Mutter durch tägliche Besuche aufrechtzuerhalten. Doch die recht neue, noch instabile Kleingruppe aus Silberrücken Oumbie und den Weibchen Ozala und Asante reagierte darauf zunehmend nervös, eine Wiedereingliederung schien somit aussichtslos. Das Europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP) für Gorillas empfahl deshalb den Umzug in die Aufzuchtstation der Wilhelma – zumal hier mittlerweile Gorillababy Tano eingezogen war, Okanda also gemeinsam mit einem Artgenossen aufwachsen kann.

Nach fast 24-stündiger Autofahrt trafen Okanda und sein Pfleger John Buchan am Dienstag wohlbehalten in Stuttgart ein. Überraschend schnell wurde der Kleine mit seinen neuen Ersatzmüttern im Aufzuchthaus warm, lachte, turnte umher und erkundete fröhlich sein neues Heim. Da Okanda zudem noch in seinem Heimatzoo gründlich untersucht wurde, darf er mit Erlaubnis des Tierarztes auch von Anfang an auf Tano treffen. Die ersten Annäherungen zwischen den Gorillakindern können die Besucher ebenfalls in Kürze „live“ im Schaugehege erleben. Zumal auch Tano hier über die tägliche „Showtime“ von 11.30 bis 12 Uhr hinaus nun häufiger zu sehen ist, ob bei Fütterungen oder beim Spielen – allerdings weiterhin zu unregelmäßigen Zeiten und je nach Tanos Rhythmus.

Damit die beiden Jungs das Einmaleins des sozialen Gorillalebens frühzeitig kennen lernen, werden sie überdies bald die Familiengruppe regelmäßig besuchen. Tano hat seine ersten Visiten schon hinter sich und kam bei Silberrücken Kibo gleich gut an: In einer Art spontaner Sympathiekundgebung schleckte ihm der Gorillamann übers ganze Gesicht. Dass die Aufzuchtstation im neuen Menschenaffenhaus direkt neben dem Gehege der Gorillafamilie liegen wird, erleichtert später solche Kontaktanbahnungen; zudem werden die Besucher sie besser beobachten können.