nach oben
Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (links, Bündnis 90/Die Grünen) und sein Herausforderer Guido Wolf (rechts, CDU) stehen mit dem Fernsehmoderator Clemens Bratzler zum ersten Fernsehduell vor der Landtagswahl in einem Aufnahmestudio des SWR.
Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (links, Bündnis 90/Die Grünen) und sein Herausforderer Guido Wolf (rechts, CDU) stehen mit dem Fernsehmoderator Clemens Bratzler zum ersten Fernsehduell vor der Landtagswahl in einem Aufnahmestudio des SWR. © dpa
Grünen-Ministerpräsident Winfried Kretschmann stellt sich CDU-Spitzenkandidat Guido Wolf in einem TV-Duell.
Grünen-Ministerpräsident Winfried Kretschmann stellt sich CDU-Spitzenkandidat Guido Wolf in einem TV-Duell. © DPA
14.01.2016

TV-Duell: Wolf und Kretschmann bekräftigen vor Wahl Regierungsanspruch

Stuttgart. Flüchtlingskrise, Ängste der Menschen um ihre Sicherheit und Umfragewerte - beim ersten TV-Duell stritten Regierungschef Kretschmann und Oppositionsführer Wolf miteinander. Kämpferisch zeigte sich vor allem der CDU-Spitzenkandidat.

Umfrage

Am Donnerstagabend treffen Grünen-Ministerpräsident Winfried Kretschmann und CDU-Spitzenkandidat Guido Wolf in einem Fernsehduell aufeinander. Sind Fernsehduelle von Spitzenpolitikern vor Wahlen sinnvoll?

Ja 40%
Nein 33%
Mir egal 27%
Stimmen gesamt 450

Nach drei Minuten startet CDU-Spitzenkandidat Guido Wolf den ersten Angriff gegen Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne): Der Moderator Clemens Bratzler fragt Wolf, ob es ihn nicht ärgere, dass die Grünen sich zur Baden-Württemberg-Partei ausgerufen hätten. Denn immerhin sei das doch ein Titel, den die CDU für sich beansprucht habe. Wolf kontert, indem er die Grünen attackiert: «Das ist offensichtlich die Entwicklung nach fünf Jahren Regierung, dass man das Gefühl hat: Jetzt gehört mir auch das Land.»

Zwei Monate vor der Landtagswahl hat der Südwestrundfunk (SWR) am Donnerstagabend die beiden Spitzenmänner Kretschmann und Wolf zu einem Streitgespräch eingeladen, das live übertragen wird. Es ist das erste Aufeinandertreffen vor laufenden Kameras - und gestritten wird auch. Wolf versucht immer wieder, Kretschmann in die Ecke zu drängen, indem er ihn unterbricht und ihm Versagen vorwirft. Kretschmann bleibt gelassen und reagiert mit detailreichen Antworten.

Wolf geht deshalb auf Angriff, weil er in den Umfragen seit langem in der Defensive ist: Nach einer aktuellen Befragung von Infratest dimap im Auftrag von SWR und «Stuttgarter Zeitung» käme die CDU auf 35 Prozent, wenn schon am nächsten Sonntag Landtagswahl wäre. Die Grünen sind mit 28 Prozent im Südwesten auf dem besten Weg zur Volkspartei. Nach wie vor erfreut sich Kretschmann hoher Beliebtheit - pikanterweise auch im CDU-Lager. 44 Prozent der CDU-Anhänger würden für Kretschmann votieren, wenn eine Direktwahl des Ministerpräsidenten möglich wäre - aber nur 38 Prozent für Wolf. Die Regierungsbildung könnte trotzdem schwierig werden: Weder für Grün-Rot noch für Schwarz-Gelb zeigt die Umfrage eine Mehrheit.

Die Flüchtlingspolitik nimmt in dem Streitgespräch breiten Raum ein. Der Frage des Moderators, ob er nicht wie CSU-Chef Horst Seehofer Obergrenzen zur Aufnahme von Flüchtlingen in Deutschland fordere, weicht Wolf aus, wohlwissend dass das in der CDU ein heikles Thema ist. Stattdessen hält er Kretschmann vor, nicht genug abgelehnte Asylbewerber abzuschieben und die Umstellung von Geld- auf Sachleistungen für Flüchtlinge zu verschleppen. Kretschmann widerspricht und verweist auf die geplante Geldwertkarte. Wolf regt sich darüber auf, dass illegale Flüchtlinge nach dem Willen der Grünen Zugang zur Gesundheitsversorgung bekommen sollen. Kretschmann entgegnet knapp: «Jeder, der schwer erkrankt ist, muss zum Arzt.»

Einen ähnlichen Verlauf nimmt das Streitgespräch in der Bildungspolitik und beim Thema innere Sicherheit. Erst kürzlich hatten Kretschmann und seine Fraktion angekündigt, im Falle eines Wahlsieges die Polizei im Land aufstocken zu wollen. «Das klingt schon ein bisschen nach Wahlkampfmanöver», meint Wolf - und erinnert an Zeiten, in denen vor allem die Grünen beim Verfassungsschutz einen massiven Personalabbau vorsahen. Einig zeigen sich die beiden Kontrahenten darüber, die Alternative für Deutschland (AfD) aus dem Parlament halten zu wollen - was angesichts der Umfragewerte von zehn Prozent für die AfD allerdings schwierig sein dürfte.

Zum Schluss müssen beide noch Halbsätze vervollständigen, die ihnen der Moderator vorlegt. Kretschmann sagt, dass er ein Pils trinkt, wenn er vom Wahlkampf genervt ist - und Wolf, dass er zu Hause auf dem Laufband läuft, um sich fit für den Wahlkampf zu halten.

Und wer hat nun «gewonnen»? Der Kommunikationswissenschaftler von der Universität Hohenheim, Frank Brettschneider, sagt der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart: «Die waren beide nicht schlecht.» Jedoch habe man von beiden wenig Zukunftsweisendes erfahren. Kretschmann habe vor allem seine Regierungsbilanz verteidigt - Wolf habe den Ministerpräsidenten teils recht aggressiv angegriffen. «Es sind schon unterschiedliche Positionen deutlich geworden.» Doch für den Ausgang der Landtagswahl am 13. März misst Brettschneider dem Streitgespräch keine große Bedeutung zu. Für die meisten Bürger sei die Wahl noch zu weit weg. «Das war jetzt eher ein Warmlaufen für den Wahlkampf.»