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30.12.2010

Tattoos immer beliebter - Gefährliche Tätowierfarben

STUTTGART. In den letzten Jahrzehnten erfreute sich die Körperbemalung, bei der mit Hilfe einer Nadel die Farbe in die Haut eingebracht wird, vor allem bei der Jugend einer größeren Beliebtheit. Immer mehr Frauen tragen ein Tattoo. In den westlichen Industrienationen sind zehn bis 20 Prozent der Menschen tätowiert, wie das baden-württembergische Verbraucherschutzministerium berichtet. Aber: Verbraucherschutzminister Rudolf Köberle (CDU) warnt vor den gesundheitsschädlichen Gefahren der Tattoofarben.

Bildergalerie: Bis zu 20 Prozent tragen im Westen Tatoos

Schauspieler oder auch Rockmusiker wie Tommy Lee (Mötley Crüe) haben zur Akzeptanz von Tätowierungen beigetragen. Laut einer Studie der Universität Leipzig aus dem Jahr 2009 hat der Anteil der Tätowierten im Vergleich zum Jahr 2003 in Deutschland zugenommen. Demnach hatten vor allem junge Frauen zu ihren männlichen Altersgenossen aufgeschlossen. In der Altersgruppe zwischen 25 und 34 Jahren trägt der damaligen Erhebung zufolge jede vierte Frau ein Tattoo (25,5 Prozent), bei den Männern 26 Prozent. Bei den 14- bis 24-Jährigen sind sogar mehr mehr Frauen (22,9) als Männer (21,1) tätowiert. Während Männer Tattoos nur an ganz bestimmten Stellen tragen - vor allem an den Armen - sind Frauen experimentierfreudiger.

Unter Berufung auf Schätzungen von Marktforschungsinstituten spricht das baden-württembergische Verbraucherschutzministerium in Stuttgart davon, dass bis zu 20 Prozent der Menschen in den westlichen Industrienationen tätowiert sind - bei steigender Tendenz. Doch ungefährlich ist das Tätowieren nicht. Unerwünschte akute Reaktionen können von Infektionen, Narbenbildungen bis hin zu allergischen Reaktionen reichen.

Die Langzeitwirkungen der Tätowierfarben sind noch weitgehend unklar. Die Farbstoffe wurden zwar in den Lymphknoten nachgewiesen. Ob sich aber daraus ein Tumor entwickele oder ob die Pigmente Ursache für bösartige Tumoren auf der Hautfläche seien, sei bislang unklar.

Verbraucherschutzminister Rudolf Köberle (CDU) sagte in Stuttgart: «Jeder, der sich für ein Tattoo entscheidet, sollte sich der möglichen Risiken bewusst sein.» Der Minister forderte eine Änderung der Tätowiermittelverordnung, um die Risiken für Verbraucher in Zukunft zu minimieren.

Die Behörden entdeckten bei ihren Untersuchungen auch verbotene Farbstoffe, die nicht auf ihre Auswirkungen auf die Gesundheit untersucht worden seien. Besonders die bunten Tätowierfarben sollten brillant und lichtecht sein. Deshalb werden nach Darstellung des Ministerium oftmals technische Farben verwendet, die beispielsweise für die Autolackindustrie entwickelt wurden.

Das Ministerium warnte auch vor der Entfernung von Tätowierungen. Auch dabei bestehe ein gesundheitliches Risiko. Bei der Laserbehandlung werden nach Darstellung des Verbraucherschutzministeriums die Pigmente gespalten und dadurch könnten giftige Inhaltsstoffe entstehen. Auch der Einsatz von bestimmten Flüssigkeiten zur Entfernung der einstigen Verzierung könne zu schwerwiegenden Hautverätzungen führen. dpa