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26.04.2010

Testfahrer schweigt - Minister: Autobahn kein Nürburgring

ROTTWEIL. Nach dem tödlichen Unfall mit einem Mercedes- Prototypen am Wochenende bei Rottweil verweigert der Fahrer des Testwagens jede Aussage. Die Hoffnung auf eine schnelle Aufklärung des Unfalls auf der Autobahn 81 schwinde damit, sagte ein Polizeisprecher am Montag. Auch ein Gutachten, das eigentlich binnen weniger Tage vorliegen sollte, werde wohl noch einige Wochen brauchen. Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln nun wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung.

Bildergalerie: Tödliche Unfälle mit Testfahrern und Prototypen

Der Unfallgutachter habe die beschädigten Fahrzeuge und den Unfallort bereits in der Unfallnacht in Augenschein genommen und auch später noch einmal die demolierten Autos untersucht, erläuterte ein Sprecher der Rottweiler Polizei. Das Gutachten werden zusammen mit der Unfallakte mit den Resultaten der Zeugenvernehmungen der Staatsanwaltschaft übergeben.

Der Testfahrer hatte in der Nacht zum Samstag mit seinem Mercedes- Prototyp auf der Autobahn 81 bei Rottweil einen 26-Jährigen getötet, der nach einem Unfall auf der linken Fahrspur gerade sein beschädigtes Auto verlassen hatte. Dabei wurde der 52-Jährige selbst schwer verletzt. Sein Prototyp schleuderte rund 250 Meter weiter, überschlug sich und landete auf dem Dach. Wie schnell er unterwegs war, konnte die Polizei zunächst nicht sagen. Allerdings gelte auf der Strecke keine Geschwindigkeitsbegrenzung, sagte ein Polizeisprecher.

„Bei dem Testfahrer handelt es sich um einen sehr erfahrenen Mann, der seit vielen Jahren unfallfrei fährt“, sagte eine Daimler- Sprecherin am Sonntag. Er habe zudem - wie alle Testfahrer - regelmäßig Schulungen besucht und hatte die Anweisung, sich strikt an die Straßenverkehrsregeln zu halten. Der 52-Jährige stehe unter Schock. Im Moment könne sich das Unternehmen nicht erklären, wie es zu dem Unfall kam. „Wir müssen die Ermittlungen abwarten.“

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) hat nach dem tödlichen Unfall Konsequenzen der Automobilhersteller gefordert. Der „Bild“- Zeitung (Montag) sagte er: „Testpiloten sind Berufsautofahrer. Sie dürfen sich nicht wie Rambos benehmen, sondern müssen sich noch vorbildlicher als alle anderen an die Verkehrsregeln halten.“ Der Minister betonte: „Deutsche Straßen sind nicht der Nürburgring.“ Ramsauer appellierte an die Autokonzerne, für Testfahrer einen besonderen Verhaltenskodex mit strengen Regeln zu erlassen.

Nur mit Glück wurden bei dem Unfall zwei weitere Männer nur leicht verletzt. Zwei 27- und 59-Jährige hatten auf dem Standstreifen angehalten, um dem 26-Jährigen nach seinem Unfall zu helfen. Als der „Erlkönig“ heranraste, wollten sie gerade die Unfallstelle absichern. Der 59-Jährige rettete sich noch rechtzeitig mit einem Sprung über die Leitplanke vor schlimmeren Verletzungen. Er und der 27-Jährige wurden aber durch umherfliegende Trümmerteile verletzt.

Der Autobauer Daimler setzt trotz des Unfalls auch künftig auf Fahrten mit sogenannten Erlkönigen. Die neu entwickelten Autos würden zwar so weit wie möglich auf abgesperrtem Gelände getestet. Nachtfahrten auf öffentlichen Straßen seien aber absolut notwendig, sagte eine Sprecherin. „Wir testen das Auto unter Realbedingungen, so wie es später auch der Kunde fahren wird.“