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Verkehrsminister Winfried Hermann macht sich ein Bild vom autonom fahrenden Eva-Shuttle. Foto: Murat
Verkehrsminister Winfried Hermann macht sich ein Bild vom autonom fahrenden Eva-Shuttle. Foto: Murat
Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) steht ein Pkw, ein sogenannter Versuchs- und Experimentalträger, für die Erforschung des autonomen Fahrens. Auf dem Dach ist der Schriftzug „Testfeld autonomes Fahren Baden-Württemberg“ zu lesen. Im Inneren des Wagens sind hinter der Windschutzscheibe Kameras angebracht.  Foto: dpa
Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) steht ein Pkw, ein sogenannter Versuchs- und Experimentalträger, für die Erforschung des autonomen Fahrens. Auf dem Dach ist der Schriftzug „Testfeld autonomes Fahren Baden-Württemberg“ zu lesen. Im Inneren des Wagens sind hinter der Windschutzscheibe Kameras angebracht. Foto: dpa
03.07.2019

Testfeld Autonomes Fahren ist ein Tummelplatz für die Forschung

Karlsruhe. Autos, die mit Ampeln kommunizieren oder vom Zebrastreifen per Sensor vor querenden Fußgängern gewarnt werden – das Testfeld Autonomes Fahren Baden-Württemberg wird immer weiter ausgebaut. Inzwischen sind mehr als 82 Kilometer Strecke für selbstfahrende Fahrzeuge präpariert und kartiert. Anfangs waren es 30. Für Industrie und Forschung sei dies ein einzigartiger Tummelplatz, um das autonome Fahren in all seinen Facetten zu erproben, sagte am Mittwoch der Leiter des Testfeld-Konsortiums, Marius Zöllner, in Karlsruhe.

Essentiell als Information für die Robo-Autos, die verschiedene Hersteller hier auf die Strecke bringen, sei etwa die sorgfältige Kartierung: Straßen, Plätze, Schilder, Ampeln, Seiten-, Mittel- oder Haltelinien werden auf bis zu fünf Zentimeter genau erfasst. Selbstfahrende Autos, die auf die Software zugreifen können, gleichen diese wiederum mit Informationen zu unerwarteten Situationen ab, um reagieren zu können, erklärte Christian Hubschneider vom Forschungszentrum Informatik (FZI).

Ein Bus für die „letzte Meile“

Großes Potenzial sehen viele Experten in der Kombination des Öffentlichen Nahverkehrs (ÖPNV) mit autonomen Gefährten: Entwickelt wurde etwa der Eva-Shuttle, ein preisgekrönter weißer Minibus, der Personen auf der sogenannten letzten Meile zwischen Haltestelle und Haustür hin und her transportieren soll. Ihm gehe es nicht in erster Linie darum, über selbstfahrende Privatautos zu sprechen, sagte dazu Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne), der sich gestern ein Bild vom Geschehen machte. „Der ÖPNV ist das Rückgrat nachhaltigen Verkehrs.“ Mit selbstfahrenden Bussen könnten Autofahrten wesentlich reduziert werden.

Ein Selbstläufer zu werden, davon ist das autonome Fahren aber noch meilenweit entfernt, erklärte Zöllner. „Das perfekte selbstfahrende Auto gibt es noch längst nicht“, sagte er. In den nächsten Jahren würden die Fahrzeuge auf jeden Fall auf die Unterstützung durch Infrastruktur angewiesen sein und von dort gewonnene Informationen mit dem vergleichen, was das Auto weiß: So registriert das Auto zwar mit eigenen Sensoren eine rote, gelbe oder grüne Ampel. Zur Sicherheit aber funkt auf dem Testfeld auch ein Antennenkasten an bestimmten Ampeln den Ampelstatus an das Fahrzeug zurück. Auch vorausschauendes Fahren wird so ermöglicht – etwa wenn die Ampel hinter einer Kurve liegt und das Auto sie nicht sehen, aber bereits ihre Funksignale empfangen kann.

Auf den Strecken finden nach Angaben des sogenannten Testfeld-Konsortiums inzwischen beinahe täglich Testfahrten statt. Zwischenfälle habe es bisher nicht gegeben. „Auf den Straßen dürfen nur speziell zugelassene Fahrzeuge fahren, und es ist immer ein ausgebildeter Sicherheitsfahrer an Bord“, erläuterte eine Sprecherin.

Das federführende Verkehrsministerium förderte den Aufbau des Testfeldes mit zunächst 2,5 Millionen Euro. Weitere 2,5 Millionen stellte das Haus gemeinsam mit dem Wissenschaftsministerium zur Verfügung. Das Projekt ist auf mindestens fünf Jahre angelegt.