nach oben
Ein mit Bosch-Technik ausgestattetes Fahrzeug des Typs Jeep Cherokee steuert in Las Vegas im Rahmen der Consumer Electronics Show selbstständig über den Las Vegas Strip, während der Fahrer die Hände vom Lenkrad nimmt. In Baden-Württemberg wird es vorerst keine Teststrecke für selbstfahrende Autos geben.
Ein mit Bosch-Technik ausgestattetes Fahrzeug des Typs Jeep Cherokee steuert in Las Vegas im Rahmen der Consumer Electronics Show selbstständig über den Las Vegas Strip, während der Fahrer die Hände vom Lenkrad nimmt. In Baden-Württemberg wird es vorerst keine Teststrecke für selbstfahrende Autos geben. © dpa
06.02.2015

Teststrecke für Roboterautos - Baden-Württemberg kontra Bayern

Baden-Württemberg hat beim Ringen um eine Teststrecke für selbstfahrende Autos auf Autobahnen fürs Erste den Kürzeren gezogen. Wie erst am Freitag bekanntwurde, hatte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) anderen Plänen schon Ende August eine Absage erteilt.

Seinem Amtskollegen im Land, Winfried Hermann (Grüne), schrieb er damals: «Ich werde meine Fachabteilung bitten, bei künftigen Projekten eine Einbindung Ihres Landes zu prüfen.» Anders als Baden-Württemberg kommt Dobrindts Heimat Bayern zum Zuge. Dobrindt hatte vor kurzem vorgeschlagen, eine Teststrecke auf der A9 in Bayern zu errichten.

Landeswirtschaftsminister Nils Schmid hatte daraufhin die A81 als Erprobungsstrecke ins Spiel gebracht. Grünen-Politiker Hermann hatte Dobrindt aber schon im Juni die «Errichtung einer digitalen Autobahn-Teststrecke» entweder auf der A8 oder der A81 vorgeschlagen. Daraufhin kam die Absage aus Berlin. Zunächst war aber unklar, ob der SPD-Politiker zu diesem Zeitpunkt von dem Briefwechsel zwischen Dobrindt und Hermann wusste.

Eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums erklärte nun, Schmid und Hermann wollten sich gemeinsam weiterhin für eine solche Strecke im Land starkmachen. Der Autobauer Daimler hatte in den vergangenen Wochen ebenfalls verstärkt für eine entsprechende Strecke getrommelt, um die Fahrzeuge auch unter Alltagsbedingen ausprobieren zu können.

Die Technik für autonomes Fahren ist schon soweit fortgeschritten, dass die deutschen Autohersteller bereits Fahrzeuge auf deutschen Autobahnen testen. Voraussetzung ist eine Genehmigung des Regierungspräsidiums. Autos ohne Mensch am Steuer dürften aber vorerst noch nicht gesichtet werden. Denn ein geschulter Fahrer muss hinterm Lenkrad sitzen und im Ernstfall eingreifen können. Ganz ohne diesen «Fallschirm» dürfen die Autos noch nicht alleine fahren.

Das «Wiener Übereinkommen für den Straßenverkehr» von 1968, das die Basis für die meisten Verkehrsregelungen in Deutschland ist, sieht vor, dass jedes Auto einen Fahrer braucht, der am Ende verantwortlich ist.

Der Landesnaturschutzverband sprach sich am Freitag gegen eine öffentliche Teststrecke aus. Er verwies auf offene juristische Fragen. «Wenn jetzt schon angekündigt wird, Straßen für die Erprobung von selbst fahrenden Fahrzeugen auszustatten und freizugeben, würde der dritte und vierte Schritt vor dem ersten getan.»

Wirtschaftsminister Schmid erklärte hingegen: «Für die Mobilität der Zukunft ist die Vernetzung der Fahrzeuge untereinander und zur Infrastruktur eine Schlüsseltechnologie.» Die Fahrzeugvernetzung und automatisierte Fahrfunktionen böten großes Potenzial zur Steigerung von Sicherheit, Umweltschutz und Komfort.