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Kriminalrat Peter Grün, Leiter der Sonderkommission «Bach». Die Sonderkommission versucht seit Mitte Juli 2014 den Tod eines achtjährigen Jungen aufzuklären. Foto: Patrick Seeger/dpa
Totes Kind © dpa
10.12.2014

Tod des achtjährigen Armani ist den Ermittlern weiter ein Rätsel

Der Fundort der Leiche ist nur 400 Meter vom Polizeipräsidium entfernt. Kuscheltiere, Kerzen und ein Kreuz erinnern an der kleinen Holzbrücke über dem Bach daran, was hier passiert ist. Ein Spaziergänger fand Mitte Juli in dem Bach in Freiburg, direkt neben der Kleingartenanlage Vogelnest, ein totes Kind.

Es war die Leiche des acht Jahre alten Armani. Der Junge wurde von einem Unbekannten erwürgt. Auf der Suche nach dem Täter fehlt der Polizei knapp fünf Monaten danach eine heiße Spur. Die Ermittler haben es mit einem ungewöhnlichen Verbrechen zu tun.

«Der gewaltsame Tod eines Kindes sorgt in unserer Gesellschaft stets für Aufsehen und stößt auf eine große Anteilnahme», sagt der niedersächsische Kriminologe Christian Pfeiffer. «Der Druck auf die Ermittler, möglichst rasch den oder die Täter zu finden, ist entsprechend groß.» Dies gelte auch für das Verbrechen in Freiburg.

Kriminalrat Peter Grün, 44 Jahre alt und Vater von zwei kleinen Kindern, weiß das. Er ist Chef der nach der Bluttat gegründeten Sonderkommission (Soko) «Bach». Sie zählt derzeit 44 Beamte.

«Wir ermitteln in alle Richtungen», sagt er. «Und wir sind uns sicher, dass wir den oder die Täter finden werden.» Wird ein Kind getötet, beschäftige das jeden Polizisten. «Die Motivation ist unverändert hoch. Auch wenn die Suche nach dem Täter in diesem Fall eher ein Langstreckenlauf ist und kein schneller Sprint.»

Seit dem gewaltsamen Tod von Armani sind die Kriminalisten mehr als 1100 Hinweisen nachgegangen, haben 3500 Menschen befragt. Sie haben DNA-Spuren gefunden und den Rat eingeholt von Spezialisten des Landeskriminalamtes (LKA) in Stuttgart, sogenannten Profilern. Rund 6800 Überstunden haben die Soko-Mitarbeiter abgeleistet. Doch die Frage, wer Armani getötet hat, konnten sie noch nicht beantworten. Auch das Motiv ist weiter unklar.

«Wir haben es mit einem komplexen Fall zu tun», erklärt Chefermittler Grün die Hintergründe. Schnell verwertbare Spuren fanden sich wenige. In Freiburg hatte es viel geregnet damals, zudem lag der Junge im Wasser. Das machte es der Spurensicherung schwerer, Handfestes zu finden. Und es gab keine Zeugen, die etwas gesehen haben. Wann genau und wo der Junge getötet wurde, weiß die Polizei bis heute nicht. Auch ein Fahndungsaufruf Anfang August in der Fernsehsendung «Aktenzeichen XY - ungelöst» war erfolglos geblieben.

«Wir haben sehr viele Spuren abgearbeitet. Daraus haben sich neue Spuren ergeben. 181 von ihnen sind noch offen», sagt Grün. Jeden Tag schickt er Zweier-Teams los, auch «Spurenläufer» genannt. Sie gehen Hinweisen nach, befragen mögliche Zeugen. Andere Beamte werten die Berichte aus und analysieren. «Es ist tiefe Detailarbeit», sagt Grün. «Und die muss gründlich ablaufen - auch wenn es länger dauert.» Nichts dürfe übersehen werden. «Das wäre fatal, einen solchen Fehler würden wir uns nicht verzeihen.»

Fest steht nur, dass Armani am Abend zuvor auf einem Spielplatz in der Nähe des Elternhauses, rund vier Kilometer vom Fundort der Leiche entfernt, zuletzt lebend gesehen wurde. Anzeichen auf einen Serienstraftäter oder ein Sexualverbrechen gebe es nicht, sagt Grün. Die Polizei könne es aber auch nicht ausschließen.

Breiten Raum nimmt seit September die Befragung von mehr als 3000 Anwohnern ein. Die Hälfte von ihnen ist bislang von Polizisten besucht und mit Fragen konfrontiert worden. Dauern soll die Aktion bis Ende Januar und damit drei Monate länger als geplant, sagt die Polizei. Denn es ergeben sich viele Folgehinweise und neue Fragen, denen die Beamten weiter nachgehen müssen. Befragt werden Nachbarn des Spielplatzes, an dem der Junge zuletzt lebend gesehen wurde.

«Für Hinweise aus der Bevölkerung sind wir weiterhin dankbar. Jeder der uns helfen kann, sollte sich melden», sagt der Freiburger Oberstaatsanwalt Michael Mächtel. Für Hinweise, die zur Ergreifung des oder der Täter führen, sind 10 000 Euro Belohnung ausgesetzt. Doch zum Täter haben auch sie bislang nicht geführt.