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Die Justizvollzugsanstalt in Bruchsal.
JVA Bruchsal © dpa
26.08.2014

Tod eines Häftlings in Einzelhaft erschüttert JVA Bruchsal

Bruchsal (dpa/lsw) - Die Justizvollzugsanstalt (JVA) in Bruchsal (Kreis Karlsruhe) wird vom ungeklärten Tod eines in Einzelhaft isolierten Häftlings erschüttert.

Der 33 Jahre alte Mann aus Burkina Faso war am 9. August leblos in seiner Zelle gefunden worden - stark unterernährt, nachdem er über Wochen und Monate die Nahrung verweigert hatte, teilte die Staatsanwaltschaft Karlsruhe am Dienstag mit. Gefängnisdirektor Thomas Müller wurde nach Angaben des Justizministeriums vorübergehend von seinen Aufgaben entbunden.

Vorangegangen war eine anonyme Anzeige und damit der Verdacht, «dass einige Dinge im Zusammenhang mit der Einzelhaft vielleicht nicht ganz richtig gehandhabt wurden», sagte ein Ministeriumssprecher. Gegen weitere JVA-Bedienstete würden disziplinarische Schritte geprüft.

Die Obduktion hatte keine eindeutige Todesursache ergeben; die Ergebnisse weiterer Untersuchungen der Leiche stehen noch aus. Die Staatsanwaltschaft prüft auch, ob «früher hätte eingegriffen werden müssen» - etwa durch die Verlegung in ein Krankenhaus, so der Leitende Oberstaatsanwalt Gunter Spitz. Von einem Selbstmord sei nach erstem Augenschein jedenfalls nicht auszugehen.

Mit der vorläufigen Suspendierung von JVA-Leiter Müller solle «eine auch nur von dem Verdacht einer Parteilichkeit freie Untersuchung» der Geschehnisse ermöglicht werden, hieß es von Seiten des Ministeriums weiter. Ziel sei aber nicht, Müller dauerhaft seines Postens zu entheben. «Ein derartiges Vorkommnis hat es seit der Nachkriegszeit in Baden-Württemberg nicht gegeben.» Aus der JVA selbst gab es keinen Kommentar.

Der als hochgradig aggressiv geltende 33-jährige Häftling saß seit August vergangenen Jahres in der JVA Bruchsal ein; wie lange er dort in Einzelhaft war, konnte das Ministerium nicht sagen. Das Landgericht Offenburg hatte ihn im Januar 2012 wegen Totschlags zu zehn Jahren Haft verurteilt. Im August des gleichen Jahres kamen weitere eineinhalb Jahre Haft obendrauf: Der Mann hatte einen Justizbeamten angegriffen und so schwer verletzt, dass er in den Ruhestand versetzt werden musste.

Wegen «seiner aggressiven Gefährlichkeit» war er in Bruchsal Einzelhaft gekommen. Sein gewalttätiges Verhalten war auch der Grund dafür gewesen, dass er von der JVA Offenburg zunächst nach Freiburg und schließlich nach Bruchsal verlegt worden war.

Für Häftlinge in Einzelhaft gelten besondere Regeln wie etwa zusätzliche Sicherheitskontrollen oder Überprüfungen des Zustandes der Zelle, so das Ministerium. Die kommissarische Leitung der JVA Bruchsal hat seit Montag der Leiter der JVA Heilbronn, Hans Hartwig Dickemann.

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