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25.06.2014

Tod im Austauschsemester - Urteil steht kurz bevor

Mannheim (dpa/lsw) - Die Leiche lag etwas versteckt in einem Gebüsch - ein Flaschensammler hat sie dort gefunden. Die 20-jährige Gabriele war von Litauen nach Deutschland gekommen, um für ein Semester Psychologie zu studieren. Lange war sie noch nicht da, als es in der Mannheimer Innenstadt zu der folgenschweren Begegnung zwischen ihr und dem Täter kam. Auf der Anklagebank des Mannheimer Landgerichts sitzt seit April ein 41-Jähriger, der die Tat gestanden hat. An diesem Freitag (27. Juni) will die Kammer ihr Urteil sprechen.

Es ist der Abschluss eines emotionalen Prozesses. An vielen Verhandlungstagen saßen Mutter und Bruder der Toten im Gerichtssaal. Die Mutter fixierte den Angeklagten minutenlang. Als sie schilderte, wie sie von dem Tod ihrer Tochter erfahren hatte, brach sie in Tränen aus. Der Mann sagte lange nichts zu den Vorwürfen - um dann überraschend sein Schweigen zu brechen und ein Geständnis abzulegen. «Ich wünschte mir, ich könnte die Zeit zurückdrehen», ließ er über seinen Anwalt verlesen. «Ich würde mein eigenes Leben dafür geben.» Der Mann mit dem Schnurrbart, der sonst keine Emotion zeigte, hatte dabei Tränen in den Augen.

Der Tod der Austauschstudentin hatte bundesweit für Entsetzen gesorgt. Ein Trauermarsch zog durch die Stadt. Das Mannheimer Ermittlerteam fasste den mutmaßlichen Täter kurz nach dem Verbrechen im Oktober 2013 in seiner Wohnung im rheinland-pfälzischen Grünstadt. Dort lag auch das Handy der Toten. Auf der Leiche fanden sich Spermaspuren, die auf den Angeklagten hindeuten.

Am vorletzten Verhandlungstag argumentierte die Verteidigung des Angeklagten in ihrem Plädoyer, die Tat sei kein Mord gewesen, sondern ein Raub mit Todesfolge: Der Mann habe die Wertgegenstände des Opfers stehlen und es nicht töten wollen. Sieht die Kammer das genauso, könnte der mutmaßliche Täter eine mildere Strafe bekommen.

Aus Sicht der Staatsanwaltschaft gibt es indes keinen Zweifel daran, dass die junge Frau ermordet wurde - und der Angeklagte daher lebenslang hinter Gitter muss. Oberstaatsanwalt Oskar Gattner fordert außerdem die Sicherungsverwahrung für den 41-Jährigen. Sie soll die Allgemeinheit vor Tätern schützen, die ihre Strafe bereits verbüßt haben, aber weiterhin als gefährlich gelten.

Laut Anklagebehörde ist der Mann extrem gewaltbereit. Er saß bereits mehr als zehn Jahre wegen anderer Straftaten im Gefängnis. «Das alles bestätigt die Annahme eines verfestigten inneren Zustands des Angeklagten, der ihn immer wieder Straftaten begehen lässt», sagte Gattner.

Neben dem Verbrechen an der Gaststudentin wirft der Staatsanwalt dem Mann einen Mordversuch an einer Frau in Speyer vor. Außerdem soll er zwei Jugendliche in Grünstadt (beides Rheinland-Pfalz) überfallen haben. Der Angeklagte schweigt dazu. Seiner Verteidigung ist überzeugt, dass die Kammer ihm die beiden Taten nicht nachweisen kann. Für das Urteil könnte dies am Ende unerheblich sein. Selbst Verteidiger Maximilian Endler sagt, die Kammer werde die Tat wohl als Mord werten. «Ich sehe das realistisch.»