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Blumen und Trauerschmuck hängen am 05.12.2016 in Freiburg (Baden-Württemberg) an einem Baum an der Dreisam. Hier wurde eine junge Frau umgebracht.
Blumen und Trauerschmuck hängen am 05.12.2016 in Freiburg (Baden-Württemberg) an einem Baum an der Dreisam. Hier wurde eine junge Frau umgebracht. © dpa
07.12.2016

Tote Studentin - Freiburger Flüchtlingshelfer mit Hass konfrontiert

Freiburg (dpa/lsw) - Nach dem Tod einer Studentin und dem Tatverdacht gegen einen 17 Jahre alten Flüchtling in Freiburg schlägt Flüchtlingshelfern Hass über das Internet entgegen. Oberbürgermeister Dieter Salomon (Grüne) sieht jedoch keinen grundlegenden Stimmungswandel in der Stadt, wie er am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur sagte. Ehrenamtliche Flüchtlingsarbeit werde in weiten Teilen der Bevölkerung nicht grundsätzlich infrage gestellt.

Die Studenteninitiative Weitblick bestätigte am Mittwoch erstmals, dass sich die 19-Jährige seit Anfang des vergangenen Semesters in dem Verein in Freiburg engagierte. Sie sei jedoch nicht, wie von Medien berichtet, in der Flüchtlingshilfe aktiv gewesen.

Einem 17 Jahre alten Flüchtling aus Afghanistan, der 2015 nach Deutschland kam, wird vorgeworfen, Mitte Oktober in Freiburg die Studentin vergewaltigt und ermordet zu haben. Der Fall hatte bundesweit eine Debatte über die deutsche Flüchtlingspolitik ausgelöst.

Seit dem Tod der jungen Frau werde der Verein Weitblick mit Hass-Posts konfrontiert, teilte er mit. Diese enthielten rassistische, beleidigende und teilweise strafrechtliche Aussagen. Deshalb habe er seine Facebook-Seite vorübergehend vom Netz genommen. Der Verein werde sich weiter sozial engagieren, auch für Flüchtlinge.

Die 19-Jährige sei nicht in der Flüchtlingshilfe aktiv gewesen, sondern habe sich für Spenden und die Renovierung einer Grundschule in Ghana eingesetzt. Dementsprechend werde nun das Geld verwendet, das der Verein nach dem Tod der 19-Jährigen erhalte. Hintergrund: Die Familie der Getöteten hatte in der Traueranzeige unter anderem, zu Spenden für Weitblick aufgerufen. Einzelne Medien hatten danach berichtet, die 19-Jährige habe sich für Flüchtlinge eingesetzt.

Generell erhalte die Flüchtlingsarbeit Rückendeckung, sagte der Oberbürgermeister: «Erste Rückmeldungen zeigen, dass die Tat keine Auswirkungen auf das Engagement haben wird.» Es handele sich um die Tat eines Einzelnen, dies werde von den meisten auch so gesehen. «Die Freiburger differenzieren in der Sache und scheinen auch zusammenzurücken.» Es gebe weiter eine große Hilfsbereitschaft für Flüchtlinge.

Polizei und Staatsanwaltschaft äußerten sich am Mittwoch nicht zu Details ihrer Ermittlungen. Der 17-Jährige war am vergangenen Freitag festgenommen worden, er sitzt in Untersuchungshaft. Den Angaben zufolge äußert er sich nicht. Ob er das Opfer kannte, ist laut Polizei weiter unklar. Hinweise darauf gebe es derzeit nicht.

Ungeklärt sei weiter der Mord an einer jungen Frau in Endingen bei Freiburg. Die 27 Jahre alte Frau war, drei Wochen nach der Tat in Freiburg, vergewaltigt und ermordet worden. Jeder Hinweis könne wichtig sein, sagte ein Polizeisprecher am Mittwoch. Es gebe weiter 25 000 Euro Belohnung. Die Polizei sei bislang 1100 Hinweisen nachgegangen, eine entscheidende Spur habe sich nicht ergeben. Die Tat hatte sich vor rund einem Monat ereignete.

Der Chef der Gewerkschaft der Polizei, Oliver Malchow, warnte vor einem Generalverdacht gegen Flüchtlinge. Die Straftaten ließen keine Verallgemeinerungen zu, sagte Malchow den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Mittwoch). Aufgabe der Polizei sei es, sich den Tatbestand genau anzuschauen und nicht noch Ängste zu schüren.

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