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Der Karlsruher Zoo am Tag nach dem Brand: Die Elefanten haben die Katastrophe recht gelassen hingenommen, auch wenn sie in der Brandnacht schon im Rauch standen und erst in letzter Minute gerettet werden konnten. Da, wo einst der Streichelzoo stand, herrscht jetzt jedoch Totenstille. © dpa
14.11.2010

Totenstille statt Kinderlärm nach Brand im Karlsruher Zoo

KARLSRUHE. Auf den ersten Blick scheint alles wie immer zu sein. Bei strahlendem Sonnenschein strömen am Sonntag die Menschen in den Karlsruher Zoo. Nur dort, wo sonst besonders viel Kinderlärm zu hören ist, herrscht heute Totenstille. Brandgeruch liegt in der Luft. Rot-weiße Absperrbänder sind um das gespannt, was vom beliebten Streichelgehege übriggeblieben ist. Am frühen Samstagmorgen verbrannten hier 26 Tiere: Alpakas, Zwergziegen, Shetland-Ponys und Schafe. Einen Tag danach fliegen nur noch Spatzen durch die verkohlten Überreste. PZ-news zeigt am Abend ein neues Video mit aktuellen Entwicklungen zum Gesundheitszustand der Tiere und zur Brandursache.

Bildergalerie: Brand im Karlsruher Zoo: 26 Tiere sterben - Teil 3

«Hier ist ja gar kein Leben mehr», sagt die neunjährige Ellen, die mit ihrer Mama in den Zoo gekommen ist und mit vielen anderen still vor dem Brandort steht. Einige fotografieren. Er hat auch immer die Tiere hier aufgenommen, sagt ein Mann. Er weiß nicht, dass zu diesem Zeitpunkt noch die Kadaver in den abgebrannten Ställen liegen.

Bildergalerie: Brand im Karlsruher Zoo: 26 Tiere sterben - Teil 2

Ein Sachverständiger der Polizei ist vor Ort. Denn die Ursache für das verheerende Feuer ist nach wie vor unklar. Weil unweit des Zoogeländes auch zwei Mülltonnen in Flammen aufgegangen waren, schließt die Polizei Brandstiftung nicht aus. Doch auch ein technischer Defekt ist möglich.

Gesperrt ist auch das Dickhäuter-Haus, aus dem in letzter Sekunde vier Elefanten, zwei Flusspferde und 70 Flamingos in einer dramatischen Rettungsaktion unverletzt geborgen werden konnten. Es ist zwar durch die Flammen zum Teil stark beschädigt worden. Seine Bewohner haben aber schon wieder die Nacht in dem Provisorium verbracht.

Bildergalerie: Brand im Karlsruher Zoo: 26 Tiere sterben - Teil 1

An der Tür hat ein Tierfreund einen Zettel aufgehängt: «In tiefer Trauer». Draußen vor dem Zooeingang liegt ein anderes Papier, auf dem zu lesen ist: «Wer Tiere tötet, wird auch Menschen töten.» Daneben steht ein Blumenstrauß mit einer Kerze.

«Ich könnte heulen, dass die Tiere alle tot sind», sagt eine alte Dame am Waffelstand. Und auch die Verkäuferin dort meint: «Es tut so weh.» Vor allem die Kinder sind traurig: «Wir haben die Tiere so gerne gestreichelt», erinnert sich die neunjährige Catharina. Ihre Schwester Jessica entdeckt plötzlich noch Rauch aus einem Heuhaufen steigen.

Das Feuer, das rund 100 Feuerleute am Vortag über Stunden bekämpft hatten, ist zwar längst gelöscht. Um Schwelbrände zu verhindern, sind aber noch immer Brandschützer vor Ort. Der Heuhaufen wird später künstlich beregnet. In die Trauer mischt sich auch Unverständnis: «Gab es denn keine Aufpasser?», fragt der 80-jährige Ferdinand Kosowski. Er ist mit seiner Frau jeden Sonntagmorgen hier und jetzt einfach fassungslos. «Wie konnte das nur passieren?»

Als wäre nichts gewesen, genießen derweil die Elefantendamen Rani, Shanti, Ilona und Jenny Sonne und frühlingshafte Temperaturen um 19 Grad im Außengehege. Auch die beiden Flusspferde haben sich beruhigt und scheinen sich mit dem vorübergehenden Aufenthalt draußen abgefunden zu haben. Normales Zooleben.