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Stuttgarter OB gesucht: Tritt Woflgang Schuster wieder an?
Stuttgarter OB gesucht: Tritt Woflgang Schuster wieder an?
04.01.2012

Tritt Wolfgang Schuster wieder als Stuttgarter Oberbürgermeister an?

Stuttgart. Versöhner statt Spalter - Stuttgarts Oberbürgermeister Wolfgang Schuster (CDU) will nach den Querelen um Stuttgart 21 sein Image aufpolieren. Beim ersten Bürgerforum zum umstrittenen Bahnprojekt Mitte Dezember ließ er es sich nicht nehmen, für mehr Bürgerbeteiligung und eine sachliche Debatte zu werben. Dass der nächste Stuttgarter Oberbürgermeister Brückenbauer zwischen den Gegnern und Befürwortern des Milliardenvorhabens sein muss, ist dem 62-Jährigen klar. Beim im Neujahrsempfang der Stadt am 9. Januar will er verkünden, ob er im Herbst für eine dritte Amtszeit antritt.

Unter dem Zwist um S 21 hatte der Ruf des Projektverfechters stark gelitten. Sein Brief an alle Haushalte etwa, in denen er vor der Volksabstimmung für den Weiterbau warb, hat ihn Sympathien gekostet. Den Tiefpunkt hatte der gebürtige Ulmer im März vergangenen Jahres erreicht: «Parteifreund» und Ministerpräsident Stefan Mappus kritisierte den Zustand der Schulen in der sechstgrößten Stadt Deutschlands und Schusters Umgang mit Stuttgart-21-Gegnern.

Doch die Wende kam mit dem Volksentscheid am 27. November 2011: Denn nicht nur eine Mehrheit der Bürger im Land, sondern auch in der Landeshauptstadt sprach sich für den Weiterbau des Projektes aus. Das verleiht Schuster Aufwind.

Politikwissenschaftler Hans-Georg Wehling ist überzeugt: «Herr Schuster wird erklären, dass er noch einmal antritt.» Darauf deute auch die Empfehlung von Schusters Vorgänger Manfred Rommel (CDU) hin. Andere Auguren interpretieren einen Brief Schusters an die mehr als 3000 Mitglieder des CDU-Kreisverbands zwei Wochen nach der Volksabstimmung als Zeichen seiner Bereitschaft, erneut anzutreten. In dem aus Sicht der Mitglieder ungewöhnlichen Schreiben zeichnet Schuster die Zukunftsperspektiven der Stadt in den nächsten Jahren.

Ein Gegenkandidat zu dem Einser-Juristen sei in der eigenen Partei nicht in Sicht, meint Wehling. Für jeden neuen Kandidaten stelle sich auch die Frage, ob er das finanzielle Risiko tragen will. Nach einer Faustregel müsse ein Neukandidat etwa acht bis zehn Prozent der Wahlkampfkosten selbst berappen; das wären nach Wehlings Schätzung rund 50 000 Euro. «Davor schreckt manch einer zurück.» Schuster habe es da leichter, weil er nach 15 Jahren im Amt bereits bekannt sei und nur wenig Geld in Plakate und Organisation stecken müsse.

Für die Grünen käme Tübingens OB Boris Palmer als sehr bekannter und erfahrener Kandidat infrage. Experte Wehling würde Palmer jedoch von einer Kandidatur abraten; denn ihm werde als Wortführer gegen Stuttgart 21 nicht zugetraut, die Gräben wieder zuzuschütten. Andererseits könnte für Palmer die Möglichkeit, Stuttgart 21 zumindest noch in einigen Details nach seinen Vorstellungen zu prägen, Anreiz genug sein. Im Jahr 2004 war er schon einmal gegen Schuster angetreten - und bekam im ersten Wahlgang respektable 21,5 Prozent der Stimmen. Derzeit hält sich der 39-Jährige bedeckt.

Der grüne Verwaltungsbürgermeister Werner Wölfle habe wegen eines SMS-Irrläufers mit parteiinterner Kritik keine Chance, so Wehling. Aus seiner Sicht kämen aber andere grüne OB in Betracht: der Freiburger Dieter Salomon und Deutschlands erster grüner OB Horst Frank, der 2012 nicht für eine dritte Amtszeit in Konstanz kandidieren will. Beobachter können sich als Kandidaten auch Grünen-Bundeschef Cem Özdemir vorstellen, der aus dem schwäbischen Bad Urach (Kreis Reutlingen) stammt. Er hätte die Chance, als erster Politiker mit Migrationshintergrund eine Landeshauptstadt zu führen.

Bei der SPD sind derzeit noch nicht einmal Namen im Gespräch. Die Reutlinger Oberbürgermeisterin Barbara Bosch hat der Partei bereits einen Korb gegeben. Gefragt ist nun die Findungskommission aus dem Kreisvorsitzenden Dejan Perc und der Fraktionschefin im Gemeinderat, Roswitha Blind. Eine ähnliche, aber breiter besetzte Kommission gibt es auch bei den Grünen - und auch bei der CDU. Ob die noch wirklich viel Arbeit hat, wird sich am 9. Januar herausstellen. dpa