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In toten Amseln im Rhein-Neckar-Raum wurde ein tropisches Virus gefunden, das Stechmücken auch auf Menschen übertragen können.
In toten Amseln im Rhein-Neckar-Raum wurde ein tropisches Virus gefunden, das Stechmücken auch auf Menschen übertragen können. © dpa
14.09.2011

Tropisches Virus in toter Amsel gefunden

Heidelberg. Das Rätsel um tote Vögel im Rhein-Neckar-Raum scheint gelöst: Wissenschaftler haben ein tropisches Virus in mehreren Organen einer toten Amsel aus Hessen nachgewiesen. Jene Usutu-Viren können von Stechmücken auch auf den Menschen übertragen werden.

Es bleibe jedoch noch zu beweisen, ob das durch Stechmücken übertragene Usutu-Virus für ein «Massensterben» unter den Amseln verantwortlich ist, teilte das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNI) am Mittwoch in Hamburg mit. Erste Ergebnisse der Untersuchungen von den aus dem Rhein-Neckar-Kreis eingeschickten toten Tieren werden in den kommenden Tagen erwartet, sagte Christiane Köhler vom Naturschutzbund Rhein-Neckar-Odenwald.

Usutu-Viren können auch auf den Menschen übertragen werden. «Der Befund ist zwar alarmierend, da Usutu-Viren auch den Menschen infizieren können, jedoch sind in Deutschland bisher keine Infektionen von Menschen diagnostiziert worden», sagte der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit vom BNI.

Usutu-Viren wurden nach Angaben des Vogelexperten Stefan Bosch bereits 2010 in Stechmücken im Rhein-Neckar-Raum gefunden. Nun seien sie erstmals auch in Vögeln nachgewiesen. Dabei seien besonders Amseln betroffen, es gebe aber auch Hinweise auf kranke Elstern, Rabenkrähen oder Eulen. Wieviele Tiere bereits starben, ist nicht bekannt, da sich kranke Vögel zurückziehen oder ihre Kadaver später Raubtieren zum Opfer fallen. Für eine weitere Verbreitung gab Bosch vorläufig Entwarnung: «Da scheint nicht viel zu passieren.» Laut BNI sind die Amseln in einigen Gebieten fast vollständig verschwunden, und Tausende Vögel gestorben. Naturschützer waren aufmerksam geworden, nachdem zahlreiche besorgte Anrufer auf das Verschwinden von Amseln hingewiesen hatten.

Die in Hamburg nun untersuchte tote Amsel wurde von der Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (KABS, Waldsee, Rheinland-Pfalz) gefunden und an das Tropeninstitut weitergeleitet. Die beiden Institutionen arbeiten für das Projekt «Vorkommen von Stechmücken in Deutschland» zusammen. Dieses soll Vorhersagen machen, wie sich durch Stechmücken übertragene Viren in Deutschland verbreiten und möglicherweise Tiere und Menschen bedrohen können.

Usutu-Viren wurden im Jahr 2009 bei Patienten in Italien festgestellt, hieß es weiter. Die Infektion gehe mit Fieber, Kopfschmerzen und Hautausschlägen einher, und könne im schlimmsten Fall eine Gehirnentzündung auslösen. Schwere Verläufe seien bei Menschen mit einem schwachen Immunsystem und älteren Menschen beobachtet worden. dpa