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Tübingen wird Elite-Uni - Karlsruhe und Freiburg steigen ab.
Tübingen wird Elite-Uni - Karlsruhe und Freiburg steigen ab © dpa
15.06.2012

Tübingen wird Elite-Uni - Karlsruhe und Freiburg steigen ab

Bonn/Tübingen (dpa/lsw) - Dämpfer für den Hochschulstandort Baden-Württemberg: Drei statt wie bisher vier Universitäten sind noch in der Champions League und können sich mit dem Elite-Titel schmücken.

Zwei wurden in der zweiten Runde der Exzellenzinitiative rausgekickt, darunter völlig überraschend das Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Die Universität Tübingen errang als Neuanwärter den hart umkämpften Titel Elite-Uni, Konstanz und Heidelberg dürfen ihn behalten. Neben Karlsruhe stieg auch Freiburg ab. Dies teilte die Deutsche Forschungsgemeinschaft am Freitag in Bonn zum Abschluss milliardenschweren Exzellenzinitiative von Bund und Ländern mit. Wissenschaftsminister Theresia Bauer (Grüne) zeigte sich dennoch «sehr glücklich» über das Abschneiden Baden-Württembergs. Weit vor Bayern habe das Land mit 22 erfolgreichen Anträgen die meisten durchgebracht, darunter zwölf Graduiertenschulen, sieben Exzellenzcluster und drei Zukunftskonzepte. Das Land war mit 30 Vorhaben - das sind etwa 20 Prozent des Gesamtanträge - in das Finale des Wettbewerbs gegangen. Lediglich die Uni Stuttgart-Hohenheim hatte sich nicht um die Fördergelder beworben. Infolge der ersten Runde der Initiative waren 1370 Stellen an den baden-württembergischen Unis geschaffen worden.

Das Ende des Elite-Status' für das KIT, das sich wegen seiner Zusammenarbeit mit der außeruniversitären Forschung besondere Anerkennung erworben hatte, und der Uni Freiburg sei schmerzlich, sagte Bauer. «Risiko liegt aber im Wesen des Wettbewerbs.» Zudem sei es unter den harten Wettbewerbsbedingungen für Baden-Württemberg mit seinen bislang vier Elite-Unis schwierig gewesen, den großen Vorsprung zu halten oder gar auszubauen. Wichtig sei nun, dass die positiven Wirkungen der Exzellenzinitiative nach ihrem Auslaufen nicht verpufften.

Die Uni Tübingen setzte sich im zweiten Anlauf in allen drei Förderlinien durch. Der zweitältesten Universität im Südwesten mit rund 26 000 Studenten winken nun um die 70 Millionen Euro Förderung von Bund und dem Land für die kommenden fünf Jahre. Das Geld fließt in ein Exzellenzcluster, eine Graduiertenschule sowie in ein Zukunftskonzept zur besseren Verzahnung von Grundlagen- und angewandter Forschung.

Insgesamt gibt es nun elf Elite-Unis in Deutschland. Tübingen erhofft sich von dem neuen Elite-Titel einen Schub und zusätzliche Motivation für Wissenschaft und Forschung. «Ich bin hin und weg», sagte Uni-Rektor Bernd Engler. Der gescheiterte Anlauf in der ersten Runde der Exzellenzinitiative habe die Universität in den vergangenen Jahren wachgerüttelt und ihr neue Impulse gegeben.

Die Albert-Ludwigs-Universität Freiburg reagierte enttäuscht. «Wir müssen die Entscheidung akzeptieren, auch wenn wir sie nicht nachvollziehen können», sagte Uni-Rektor Hans-Jochen Schiewer. «Sie schmerzt natürlich.» Aber auch ohne den Titel bleibe Freiburg eine Hochschule mit internationaler Spitzenposition.

Enttäuschung natürlich auch beim KIT: Der scheidende Präsident Horst Hippler, der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz wird, sprach von einem herben Rückschlag: «Damit sind unsere schlimmsten Befürchtungen wahr geworden. Ich hätte mir natürlich einen besseren Abschied gewünscht.» Hippler sagte: «Wir sind nicht gescheitert, unsere Ideen haben nur nicht in das Konzept der Gutachter gepasst.» Der Unabhängige Studentenausschuss (UStA) des KIT sieht im Ende der Förderung gar den «Todesstoß» für die Hochschule. «Ohne frisches Geld aus Berlin wird hier so manches Projekt vor dem Aus stehen», betonte der UStA-Vorsitzende Philipp Rudo. Insbesondere die Lehre werde unter den nun notwendigen Einsparungen leiden.

Von einem «großartigen Ergebnis» sprach dagegen der Rektor der Universität Heidelberg, Bernhard Eitel. Die Hochschule habe sich mit zwei Exzellenzclustern, drei Graduiertenschulen und ihrer Zukunftsstrategie zum Dialog über traditionelle Fächergrenzen hinweg durchgesetzt. Die Universität Konstanz erhält nach Worten ihres Rektors Ulrich Rüdiger 110 Millionen Euro, wenn alle in den drei Förderkategorien beantragen Fördersummen ausgezahlt werden. «Wir sind überglücklich», sagte Rüdiger. Der Abstieg des KIT mache ihn allerdings sprachlos: «Das haben wir nicht erwartet.»

Die CDU-Landtagsfraktion kritisierte Ministerin Bauer, weil sie den Anspruch aufgegeben habe, dass das Land Spitze bleiben müsse in Wissenschaft und Forschung. Damit spielte die Fraktion auf Bauers Aussage an, nicht jede Universität müsse wie Harvard sein. Die FDP im Landtag fordert eine gründliche Untersuchung des Misserfolgs von Freiburg und Karlsruhe.

Bei der zweiten Exzellenzinitiative von Bund und Ländern werden 2,7 Milliarden Euro Forschungsgelder vergeben, die die Universitäten bis 2017 zusätzlich erhalten. Davon trägt 75 Prozent der Bund, 25 Prozent zahlen die Länder.