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Bei der Verhaftung von Chef und Vize-Chef der neu formierten rockerähnlichen Gruppierung Black Warriors in Villingen-Schwenningen fand die Polizei auch Hinweise auf die Vergangenheit des einen Festgenommenen. Der war nämlich vorher ein führender Kopf der Black Jackets.
Bei der Verhaftung von Chef und Vize-Chef der neu formierten rockerähnlichen Gruppierung Black Warriors in Villingen-Schwenningen fand die Polizei auch Hinweise auf die Vergangenheit des einen Festgenommenen. Der war nämlich vorher ein führender Kopf der Black Jackets. © Polizei
25.01.2013

Türsteher-Clinch: Köpfe der neuen Black Warriors in Haft

Selbst in den beschaulichsten Winkeln in Baden-Württemberg brodelt es zwischen Rockern und rockerähnlichen Gruppierungen, zwischen den Motorrad-Gangs und Türsteher-Cliquen. Jetzt hat die Polizei in Villingen-Schwenningen zugeschlagen und den Präsidenten nebst Vizechef der in Villingen neu entstehenden Black Warriors festgenommen. Nun hoffen die Ermittler, dass sich die zeitweise angespannte Situation im Türstehermillieu in der Doppelstadt wieder etwas entspannt.

Dem 32-jährigen Kopf und Gründer der neuen Vereinigung, ein ehemaliges, führendes Mitglied der einst auch in Pforzheim aktiven und inzwischen selbst aufgelösten Black Jackets, werden ausbeuterischer Menschenhandel, Zuhälterei und Förderung der Prostitution vorgeworfen. Sein 31-jähriger Stellvertreter steht im Verdacht einen lukrativen Handel mit illegalen Betäubungsmitteln betrieben zu haben. Jetzt sitzen beide in hinter Gitter, weil das Amtsgericht Villingen auf Antrag der Staatsanwaltschaft Konstanz Haftbefehle gegen die zwei Black Warriors erließ.

Ins Visier der Ermittler geriet das Duo im Herbst 2012. Schnell stellte sich heraus, dass der angehende 31-jährige Vize-Chef mit Rauschgift handelte und ein gut funktionierendes Netzwerk aus Kurieren und Straßenhändlern aufgebaut hatte. Bereits im Oktober wurde einer seiner Transporteure nach einer Beschaffungsfahrt beim Grenzübertritt von Holland nach Deutschland von der Bundespolizei aus dem Verkehr gezogen und vorläufig festgenommen. Der aus dem Schwarzwald-Baar-Kreis stammende 24-jährige Drogenbote mit niederländischen Wurzeln hatte über 1,1 Kilogramm Marihuana bei sich, die für den Markt in Villingen-Schwenningen bestimmt waren. Der Verkaufswert: über 10.000 Euro.

Anfang Dezember klickten dann für den Drahtzieher selbst die Handschellen. Der mit einer Reizstoffsprühpistole bewaffnete 31-Jährige wurde bei einem Polizeieinsatz am Nikolaustag, bei dem auch das Spezialeinsatzkommando und ein Mobiles Einsatzkommando eingebunden waren, zusammen mit sechs Komplizen festgenommen. Gegen ihn sowie zwei seiner Kuriere ergingen Haftbefehle.

Die anderen vier, drei 17 bis 26 Jahre alte Männer sowie eine 20-jährige Frau, durften, nach Abschluss der polizeilichen Maßnahmen und der Einleitung von Strafverfahren wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz wieder nach Hause. Die Kriminalbeamten fanden bei ihnen knapp 100 Gramm Kokain, 500 Gramm Haschisch sowie 2 Kilogramm Marihuana.

Der 32-jährige Ex-Funktionär der Black Jackets und neuer Boss der Black Warriors hingegen hatte sich ein anderes Standbein ausgesucht und im Rotlichtmillieu Fuß gefasst. Er agierte dort als Zuhälter. Die Polizei weiß von mehreren weiblichen Internetbekanntschaften, die er zur Prostitution brachte. Es handelt sich um in Deutschland, zum Teil auch in der Doppelstadt wohnende Frauen im Alter zwischen 19 und 28 Jahren.

Mit der Inhaftierung der zwei Männer dürfte die Arbeit der Kripo noch nicht getan sein. Was die weiteren Ermittlungen noch alles an Tageslicht bringen, bleibt abzuwarten. „Fest steht, dass sich die neue Gruppierung mit dem Etablieren in der Doppelstadt in der nächsten Zeit schwer tut. Dem hat die Polizei einen Riegel vorgeschoben, sitzen doch die beiden führenden Köpfe derzeit in Haft“, verkündet die Polizei in einer Pressemitteilung. In Villingen-Schwenningen konzentrieren sich die Spannungen auf das Gegeneinander von Black Jackets und den neuen Black Warriors, wobei es laut Polizeisprecher auch Hells Angels im Einzugsbereich der Doppelstadt gebe, ohne dass diese gerade besonders auffällig seien.

In Pforzheim gibt es im Augenblick zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung keine neue rockerähnliche Gruppierung. Der Pforzheimer Verein der Hells Angels wurde verboten, einige der Höllenengel stehen wegen einer Massenschlägerei mit Schüssen und Messerstichen vor Gericht. Die damaligen Gegner von der Türsteherclique United Tribuns fallen in Pforzheim im Augenblick eher nicht auf, während sich die Black Jackets angeblich selbst aufgelöst haben. In Esslingen dagegen sind die Black Jackets immer noch aktiv. Dort starb ein Mitglied der Black Jackets durch einen Messerstich bei einer Auseinandersetzung gegen die rockerähnliche Clique Red Legions, die bislang nur im Raum Esslingen/Stuttgart/Ludwigsburg in Erscheinung getreten ist.