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Leerstehende Wohnungen wo hin das Auge reicht: Durch den Abzug vieler US-Soldaten entwickeln sich Wohngegenden zu Geisterstädten. Das Bild zeigt das ehemaligen US-Armeegelände "Benjamin Franklin Village" in Mannheim.
25.02.2015

US-Abzug und Bundeswehrreformen stellen Kommunen vor Mammutaufgabe

Wegen des Abzugs der US-Amerikaner werden im Südwesten nach und nach teils riesige Areale frei. In Mannheim steht die Vertragsunterzeichnung für den Verkauf der größten ehemaligen US-Wohnsiedlung in Deutschland kurz bevor. Auch wegen der Bundeswehrreformen haben viele Kommunen plötzlich große Freiflächen zur Verfügung.

Bildergalerie: Geisterstadt durch US-Abzug

Der Bund habe aber für die blutenden Standorte nichts getan, um die Last des Abzugs abzumildern, kritisierte der für die sogenannte Konversion zuständige Minister Alexander Bonde (Grüne) in Stuttgart. Der Hauptvorwurf landauf, landab: Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) komme den Kommunen bei den Verkaufspreisen der Grundstücke so gut wie nicht entgegen.

Das Areal Franklin in Mannheim misst 144 Hektar, das ist ungefähr so groß wie die dortige Innenstadt. Die US-Streitkräfte sind abgezogen und haben das Gelände an die Bima übergeben. Derzeit laufen die Gespräche über einen Verkauf an eine gemeinsame Tochtergesellschaft von Stadt und einer Wohnungsbaugesellschaft.

«Wir stehen in der Schlussphase nicht ganz einfacher Verhandlungen», sagte Mannheims Konversionsbeauftragter Konrad Hummel. Er rechnet mit einem Abschluss in wenigen Wochen. Über den Kaufpreis haben beide Seiten Stillschweigen vereinbart. Die Amerikaner hinterlassen vor allem im Rhein-Neckar-Raum große Flächen, insbesondere in Mannheim und Heidelberg.

Die Rückgabe der Konversionsflächen ist ein langwieriger Prozess. Nicht immer läuft alles so wie geplant, wie sich kürzlich in Mannheim zeigte. Eigentlich wollten die US-Amerikaner Ende Februar die Coleman Barracks mit 216 Hektar an die Bima zurückgeben - doch kurzfristig erklärten sie, die Flächen doch weiter zu benötigen. Sie wollen das Gelände voraussichtlich noch mehrere Jahre militärisch nutzen.

Bonde sagte: «Der Bund hat betroffenen Kommunen lediglich ein Erstzugriffsrecht gewährt, bei dem der Verkaufspreis über ein Wertgutachten statt über den Immobilienmarkt ermittelt wird.» Von substanzieller Unterstützung keine Spur.

Die Landesregierung hat laut Bondes Ministerium für die vier bei der vergangenen Bundeswehrreform besonders betroffenen Konversionsräume Hardheim (Neckar-Odenwald-Kreis), Ellwangen (Ostalbkreis), Meßstetten (Zollernalbkreis) und Sigmaringen/Mengen/Hohentengen kommunale Entwicklungskonzepte mit 80 Prozent aus Landesmitteln gefördert. Von 2011 bis 2014 flossen mindestens 500 000 Euro an die Kommunen. Am 10. März 2015 gibt es in Stuttgart die mittlerweile dritte Konversionstagung zur aktuellen Bundeswehrreform.