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Die Außenaufnahme am 17.03.2014 zeigt das Landgericht in Konstanz am Bodensee (Baden-Württemberg).
Die Außenaufnahme am 17.03.2014 zeigt das Landgericht in Konstanz am Bodensee (Baden-Württemberg). © dpa
03.08.2015

Überfall auf Liebespärchen: Wollte Täter absichtlich ins Gefängnis?

In einer abgelegenen Berghütte überfällt er ein junges Pärchen, bedroht und fesselt die beiden und klaut ihnen die EC-Karten: Den erpresserischen Raub in der Silvesternacht hat ein 52-Jähriger am Montag vor dem Landgericht Konstanz gestanden. Die Kammer verurteilte den Mann zu einer Haftstrafe von sieben Jahren und sechs Monaten. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Der Angeklagte sei zwar nicht der «klassische Gewalttäter», sagte der Vorsitzende Richter bei der Urteilsverkündung. «Aber wenn man sich diese Tat anschaut, haben Sie eine Grenze überschritten.» Die Opfer seien in echter Todesangst gewesen. Die Staatsanwaltschaft hatte zuvor insgesamt acht Jahre Haft gefordert, die Verteidigung hatte sich für eine geringere Strafe ausgesprochen, ohne jedoch eine Zahl zu nennen.

Der 52-Jährige hatte das junge Pärchen am Tag vor der Tat kennengelernt, als er dem Mann half, Schneeketten am Mietwagen zu montieren. Am 31. Dezember 2014 war er dann nach eigenen Angaben zu der Hütte bei Furtwangen (Schwarzwald-Baar-Kreis) gegangen, hatte die beiden tagsüber beobachtet und war nachts in ihr Schlafzimmer eingedrungen. Dort bedrohte er die 25-Jährige und ihren 32 Jahre alten Freund, fesselte sie mit einem Klebeband und verband ihnen die Augen.

Anschließend nahm er ihnen Geldbeutel und Autoschlüssel ab und entlockte ihnen die Geheimzahlen für die EC-Karten. Nach einem Warnschuss aus einer Schreckschusspistole flüchtete er mit dem Wagen der Opfer - vorher kam er nach Aussage der 25-Jährigen aber noch einmal in das Schlafzimmer zurück, weil er die Pistole auf dem Nachttisch vergessen hatte.

In Donaueschingen habe er anschließend 1500 Euro abgehoben, sagte der 52-Jährige. 300 Euro habe er direkt im Anschluss für eine Taxifahrt nach Karlsruhe ausgegeben - als er Wochen später in Thüringen festgenommen wurde, war von dem gestohlenen Geld nichts mehr übrig.

Ihm sei bereits bei der Tat klar gewesen, dass er festgenommen würde, deshalb habe er auch keine Spuren verwischt. «Mir war das egal, ich wusste nicht, was ich machen soll», sagte der 52-Jährige. Er habe kein Geld, keine Wohnung und damit auch keine Perspektive gehabt. Ob er die Tat begangen habe, um absichtlich wieder ins Gefängnis zu kommen, fragte ihn die Staatsanwältin. «Dachten Sie: Da gibt es wenigstens Essen und Trinken?» Der Angeklagte zuckte mit den Schultern.

Das Pärchen schilderte den Überfall als stundenlangen Schrecken: Seine Freundin und er seien völlig hilflos gewesen, sagte der 32-Jährige. Erst im Morgengrauen hätten sie sich befreien und ins Tal laufen können, um die Polizei zu verständigen. «Auch die Zeit nach der Tat war belastend», sagte der Mann. Er habe Alpträume, sei schreckhafter und argwöhnischer bei Fremden.