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Zwei Brücken sollen künftig Fledermäusen als Flugkorridor über die neue Nordwestumfahrung in Biberach dienen. © dpa
06.12.2012

Umstrittenes Projekt: Eine Brücke zum Schutz der Fledermäuse

Biberach. Wildbrücken, Krötentunnel und nun spezielle Bauwerke für Fledermäuse? In Biberach sollen so Zusammenstöße der Nachtschwärmer mit Autos verhindert werden. 400000 Euro kostet das umstrittene Projekt.

Bildergalerie: Brücke für Fledermäuse

Damit Fledermäuse in Biberach nicht gegen Autos auf einer neuen Straße durch den Wald fliegen, sollen sie über spezielle Brücken gelotst werden. Diese senden Ultraschallsignale und sollen den geschützten Tieren den Weg weisen. Die zwei Fledermausbrücken seien am Donnerstag aufgebaut worden, teilte das Landratsamt mit. Sie kosten 400 000 Euro. Das Projekt wurde nach dem Bau der Straße angeschoben, die das Jagdrevier der Tiere kreuzt. Ob die Fledermäuse diese Brücken tatsächlich nutzen, soll eine mehrjährige Untersuchung zeigen. Für den Naturschutzbund (Nabu) ist der Fall ein Beispiel für schlechte Planung.

Die Brücken sind 4 Meter breit und 40 Meter lang, bestehen aus Stahlträgern und grauem Wellblech. Sie waren nach Angaben des Landratsamts nötig geworden, weil die Umfahrung ein Waldgebiet in zwei Teile teilt, in dem die stark bedrohten Tiere leben. Studien hatten im Jahr 2009 gezeigt, dass diese Waldzüge von zahlreichen Fledermausarten als Flugkorridor genutzt werden.

Mit Hilfe von Korridoren aus Bäumen und Büschen, die zu den Brücken weisen, sollen sich die Tiere nun orientieren und schließlich sicher die Straße überfliegen. Auch Detektoren, die Ultraschallsignale senden und reflektieren, wiesen den Fledermäusen den Weg, erklärte ein Sprecher des Landratsamts.

Internationale Wissenschaftler sind uneins, ob die Tiere wirklich über die Brücken fliegen. Während Unterführungen gut genutzt würden, taugten Gerüstkonstruktionen meist nichts, heißt es in einer Studie der Biologen Anna Berthinussen und John Altringham aus England, die im Juni im Fachjournal «PLoS One» veröffentlicht worden war.

Der Nabu-Landesvorsitzende André Baumann kritisierte das Projekt. Solche nachträglichen Maßnahmen wären bei rechtzeitiger Berücksichtigung des Artenschutzes und anderer Streckenführung nicht nötig gewesen, sagte er in Stuttgart der Nachrichtenagentur dpa. «Das Naturschutzrecht ist ein scharfes Schwert, aber es schneidet nicht, wenn man frühzeitig die Naturschutzexperten einbindet.»

Das Geld für die Brücken stammt aus dem rund 22 Millionen Euro starken Etat für die Umgehungsstraße, von denen das Land 13 Millionen Euro, der Kreis knapp 4 Millionen Euro, die Stadt Biberach rund 3,5 Millionen Euro und die Gemeinde Warthausen etwa 1,3 Millionen Euro zahlt. Die Nordwestumfahrung soll im Frühjahr 2013 für den Verkehr freigegeben werden.

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