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03.02.2015

Undurchsichtige Tricksereien - Ex-Fußballprofi Glesius vor Gericht

Karlsruhe. Der frühere Karlsruher Fußballprofi Arno Glesius ist in einen undurchsichtigen Betrugskomplex verwickelt und steht seit Dienstag vor dem Amtsgericht Karlsruhe. Mit zwei weiteren Angeklagten muss er sich wegen banden- und gewerbsmäßigen Betrugs in 23 Fällen verantworten. Das Trio soll die Unfallkasse Baden-Württemberg, bei der Glesius als Sachbearbeiter beschäftigt war, um fast 134 000 Euro geprellt haben. «Ich war in Geldnot», sagte der Ex-Stürmer des Karlsruher Fußballclubs KSC.

Mit einem seiner Komplizen, dem Chef einer Werbemittelfirma, habe er deshalb vereinbart, Rechnungen zu fingieren. Der Gewinn sei aufgeteilt worden - 40 Prozent für Glesius, 60 für seinen Geschäftspartner. Dieser bestritt zum Prozessauftakt jedoch, von den Tricksereien gewusst zu haben.

Das Gericht muss Licht in ein Geflecht von Betrügereien bringen: Zum einen geht es um fingierte Rechnungen in Höhe von knapp 80 000 Euro, zum zweiten um rund 54 000 Euro. Verwickelt sind zwei Firmen, deren Inhaber zusammen mit Glesius angeklagt sind. Im ersten Fall sagte der 41 Jahre alte Geschäftsführer der Werbemittelfirma, er habe nur als Mittelsmann fungiert: Glesius habe über ihn Waren bei einer rumänischen Firma bestellt, deren deutscher Chef in dem Verfahren ebenfalls vor Gericht steht. Er habe die Ware bezahlt und dies über die Unfallkasse abgerechnet. Dass die Ware bei der Unfallkasse nie ankam, «wusste ich nicht», sagte er. Glesius hingegen behauptete, den Betrug im Jahr 2011 mit dem 41-Jährigen verabredet zu haben.

Im Jahr darauf gingen die Betrügereien weiter: Diesmal mit einer anderen Firma, deren Inhaber Glesius seit 2009 kannte und mit dem er befreundet war. «Ich wollte ihm helfen, eine Existenz aufzubauen», behauptete Glesius. Er habe deshalb Waren bei der Firma bestellt und diese über die Unfallkasse vorfinanziert. «Ich bin fest davon ausgegangen, dass irgendwann auch geliefert wird.» Erst Mitte März 2012 sei er misstrauisch geworden.

Bei der Unfallkasse war Glesius als Sachbearbeiter für die Beschaffung von Büromaterial zuständig. Die Rechnungen für nie gelieferte Ware ließ er von einem Vorgesetzten abzeichnen, der ihm ohne Gegenprüfung vertraute. Die Betrügereien flogen im April 2012 auf. Ein Teil der Summe hat die Unfallkasse von den Firmen bereits zurückerhalten.

Glesius hatte zwischen 1986 und 1992 für den KSC gespielt; ab 2009 war er kurzzeitig KSC-Vizepräsident. Der Prozess war wegen langwieriger Ermittlungen mehrfach verschoben und die Anklage schließlich erweitert worden. Für das Verfahren sind mehrere Zeugen geladen und zwei weitere Verhandlungstage angesetzt.