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Unterhalb des Nordeingangs des Stuttgarter Hauptbahnhofs klafft ein Loch. Und es soll bld noch mehr und tiefere Löcher geben, denn unbeirrt von der Diskussion über Mehrkosten-Übernahmen setzt die Bahn ihre Arbeiten am Projekt Stuttgart 21 fort. © dpa
15.02.2013

Ungeklärte S21-Mehrkosten, aber Bahn will mit Bau von Tunneln beginnen

Unbeirrt von der Diskussion über Mehrkosten-Übernahmen setzt die Bahn ihre Arbeiten an dem umstrittenen Projekt Stuttgart 21 unvermindert fort. Projektsprecher Wolfgang Dietrich sagte am Freitag in Stuttgart, die Bahn werde schnellstmöglich dort bauen, wo sie bereits Baurecht habe. Dazu gebe es keine Alternative. «Das ist Grundlage der bestehenden Verträge. Das ist Grundlage des Willens der Bürger. Und es ist Grundlage des Willens des Bahnvorstandes», sagte er. So werde in diesem Jahr mit dem Bau von Tunneln für die Strecke Stuttgart-Ulm begonnen.

Bildergalerie: Stuttgart 21: Bahn will mit Bau von Tunneln beginnen

Der Bahnvorstand hatte dem Aufsichtsrat und der Öffentlichkeit im Dezember mitgeteilt, dass der Finanzierungsrahmen für Stuttgart 21 um 1,1 Milliarden Euro auf 5,6 Milliarden Euro erhöht werden muss. Diese Mehrkosten will die Bahn selbst stemmen. Der Aufsichtsrat entscheidet voraussichtlich am 5. März darüber, ob er dem neuen Finanzkonzept zustimmt. Zudem hatte die Bahn von zusätzlichen Risiken in Höhe von 1,2 Milliarden Euro gesprochen, die sie nicht selbst übernehmen will. Die Stadt Stuttgart und das Land Baden-Württemberg hatten mehrfach signalisiert, keine Mehrkosten übernehmen zu wollen.

Nach Angaben der Bahn wird im Spätsommer mit dem Aushub der ersten Baugrube am Stuttgarter Hauptbahnhof begonnen. Insgesamt sind dort 25 Baugruben geplant, die zusammen einen etwa einen Kilometer langen Bautrog ergeben, in dem der neue, unterirdische Bahnhof entsteht. Die Bahn geht nach den jüngsten Bauplänen davon aus, dass der neue Stuttgarter Bahnhof und die Hochgeschwindigkeitsstrecke nach Ulm im Dezember 2021 fertig sein werden. Bei dem Milliardenprojekt hatte es wiederholt Zeitverzögerungen und Kostensteigerungen gegeben.

Zu zuletzt kritischen Äußerungen aus dem Bahn-Aufsichtsrat sagte Dietrich: «Der Aufsichtsrat hat die Verträge, die geschlossen sind, genauso zu respektieren wie der Vorstand der Bahn.» Der Vorstand gehe davon aus, dass die Argumente, die er für das neue Kostenkonzept vorgetragen habe, so stichhaltig seien, dass der Aufsichtsrat zustimme. «Ich rate jedem: In der Ruhe liegt die Kraft. Und alles wird gut», sagte er.

Die Projektpartner von Land, Stadt Stuttgart, Region und Bahn treffen sich am 28. Februar wieder. Insbesondere unter den Grünen gibt es große Vorbehalte gegen S 21. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hatte aber wiederholt erklärt, er fühle sich an die Volksabstimmung zu S 21 gebunden, und er wolle keine Ausstiegsdebatte führen. Dietrich sagte: «Im Moment ist mir kein Projektpartner bekannt, der einen Ausstieg anstrengen würde.»