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Unruhe im Ministerium nach JVA-Massenschlägerei und Häftlings-Tod © dpa
02.09.2014

Unruhe in JVA Bruchsal: Acht Häftlinge verweigern die Nahrung

Bruchsal. Aus Protest gegen angebliche Missstände im Bruchsaler Gefängnis verweigern dort inzwischen acht Häftlinge die Nahrung. Die Aktion richte sich gegen mangelnde Abwechslung bei den Mahlzeiten, zu hohe Telefongebühren und von den Männern nicht näher benannte «Willkürentscheidungen», teilte das Justizministerium am Dienstag mit.

Die streikenden Insassen werfen der Justizvollzugsanstalt (JVA) außerdem vor, Versprechen nicht gehalten zu haben und wenden sich gegen die vorgegebene Teilnahme an Behandlungsgruppen.

Die Aktion hatte am Montag begonnen: Fünf JVA-Insassen aßen ab Montagmittag nichts mehr; am Abend des gleichen Tages schlossen sich ihnen vier weitere Männer an. Einer der dann neun streikenden Häftlinge sei inzwischen aber wieder abgesprungen, sagte eine Ministeriumssprecherin weiter.

Beim Essen, dass in Bruchsal vor Ort gekocht wird, beschweren die Häftlinge sich vor allem über zu wenig Auswahl beim Brot. Ein spezielles Essen nur für die Häftlinge gebe es nicht. Ähnlich wie in einer Kantine könnten auch JVA-Bedienstete die gleichen Mahlzeiten kaufen, betonte die Sprecherin. «Davon machen erfahrungsgemäß viele Gebrauch.»

Von einem Hungerstreik könne nach wie vor nicht gesprochen werden, hieß es: Als Hungerstreik gilt Nahrungsverweigerung ab einer Woche - erst ab diesem Zeitpunkt muss der Vorfall normalerweise an das Justizministerium gemeldet werden. In diesem Jahr hatte es in Südwest-Gefängnissen bereits fünf Hungerstreiks gegeben. Im Jahr davor wurden den Angaben zufolge acht und 2012 neun solcher Aktionen gezählt.

Dass das Ministerium vorsichtshalber bereits am Montag, dem ersten Tag der Aktion, informiert wurde, liege an dem vergangene Woche bekanntgewordenen Tod eines Häftlings in der JVA. Es gebe aber keine Hinweise darauf, dass der momentane Protest damit in Zusammenhang stehe.

Der stark untergewichtige 33-Jährige war am 9. August nach langer Einzelhaft und Hungerstreik leblos in seiner Zelle gefunden worden. Die Staatsanwaltschaft untersucht derzeit die Umstände seines Todes. Das Justizministerium hatte den JVA-Leiter vorübergehend von seinen Aufgaben entbunden.

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