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Noch haben hier in der Tiefe der Karlsruher Stadtmitte die Bauarbeiter und Bagger das Sagen – Ende des Jahrzehnts sollen Passagiere der in den Untergrund verlegten Straßenbahn die Halle bevölkern. Foto: Heck
Noch haben hier in der Tiefe der Karlsruher Stadtmitte die Bauarbeiter und Bagger das Sagen – Ende des Jahrzehnts sollen Passagiere der in den Untergrund verlegten Straßenbahn die Halle bevölkern. Foto: Heck
11.03.2016

Unter Karlsruher Markplatz entsteht riesige Haltestelle

Unter dem Karlsruher Marktplatz entsteht eine riesige Haltestelle, die gerade ein bisschen wie eine unterirdische Kathedrale anmutet. Spätestens in drei Jahren sollen hier die ersten Straßenbahnen rollen.

Alle 40 bis 50 Sekunden taucht die Baggerschaufel nach unten und kommt wenig später mit einem „Maul voll“ Sand und Kies wieder ans Tageslicht. Rund 1,8 Kubikmeter Material werden auf dem Karlsruher Marktplatz auf diese Weise jedes Mal an die Oberfläche befördert und auf einem Kieslaster abgeladen. Nach rund fünf Minuten ist die Ladefläche voll, der Lkw kann auf die Reise geschickt werden.

Es ist reiner Kies und Sand, der aus dem Karlsruher Untergrund hervor geholt wird. Feinstes Baumaterial, das beispielsweise genutzt wird, um in der Pfalz Rheindämme zu ertüchtigen. Schon beim Bau der Tunnelröhre waren über 130.000 Kubikmeter Material angefallen, am Marktplatz kommen jetzt nochmals rund 50.000 Kubikmeter hinzu. Das meiste ist schon abtransportiert, ohne dass dies „oben“ groß aufgefallen ist. Das Verkehrschaos, das Kritiker im Vorfeld befürchtet hatten, ist ausgeblieben.

Beim Gang hinab in den Karlsruher Untergrund öffnet sich dem Betrachter eine kathedralenartige Halle. Mehr als 100 Meter lang, etwa 20 Meter breit und über zehn Meter tief ist die Höhle unterhalb des vier Meter dicken Haltestellendeckels. Die Dimensionen sind jetzt schon gewaltig, dabei ist der Bereich unter der Kaiserstraße noch gar nicht freigelegt.

Dort, wo oberirdisch die Pyramide aus dem Boden ragt, schützt unterirdisch eine Betonmauer das historische Denkmal vor Beschädigungen – und hier wird dereinst das dritte Gleis enden, das Fahrgäste aus der Pfalz direkt ins Karlsruher Stadtzentrum bringen wird. In Richtung Kaiserstraße wird das Gleisdreieck sichtbar, das später den Südabzweig mit dem Ost-West-Tunnel verbinden wird.

Die Tunnelröhre selbst ist noch nicht im Blick, doch all zu lange wird es nicht mehr dauern, bis die von „Giulia“ – der gigantischen Tunnelbohrmaschine – verlegte Betonröhre freigelegt und zertrümmert wird. Denn innerhalb der Haltestelle ist die Röhre überflüssig. Dies gilt auch für die Stützpfeiler, die derzeit noch die Haltestellendecke absichern.

Spätestens Anfang kommenden Jahres soll mit dem Innenausbau der Haltestelle begonnen werden. Und wenn alles gut läuft, könnten bereits in drei Jahren die ersten Bahnen unterirdisch rollen. Im Moment herrscht Optimismus. „Beim Tunnelbau weiß man aber nie, was der Untergrund an Überraschungen birgt“, ist Uwe Konrath, Chef der Karlsruher Schieneninfrastruktur-Gesellschaft (Kasig), noch vorsichtig mit Prognosen.