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Würde sich’s zutrauen: Uwe Hück kann sich die SPD-Spitzenkandidatur bei der Landtagswahl 2011 vorstellen.
Würde sich’s zutrauen: Uwe Hück kann sich die SPD-Spitzenkandidatur bei der Landtagswahl 2011 vorstellen.
08.03.2009

Uwe Hück würde gern Günther Oettinger herausfordern

RAVENSBURG. In der Debatte um die SPD-Spitzenkandidatur für die Landtagswahl 2011 hat der dafür gehandelte Porsche- Betriebsratschef Uwe Hück auf die Bremse getreten. Die Debatte komme zu früh, die SPD müsse sich auf die Bundestagswahl konzentrieren, sagte das SPD-Mitglied Hück am Samstag in einer Rede beim Juso-Kongress in Ravensburg. Gleichwohl hält er sich für geeignet, CDU-Ministerpräsident Günther Oettinger herauszufordern.

„Natürlich traue ich mir das zu - aber es ist jetzt kein Thema“, sagte Hück der Deutschen Presse-Agentur dpa. Erst nach der Bundestagswahl müsse die Südwest-SPD entscheiden, „was sie will“. Eines sei aber klar:„Die SPD muss mehr Gesicht zeigen.“ Nicht nur bei den Jusos kommt Hück an. Wie eine dpa-Umfrage ergab, sehen viele SPD-Politiker im Südwesten den Gewerkschafter als interessante und ernsthafte Alternative zu Oettinger. Bisher wurden SPD-Landtagsfraktionschef Claus Schmiedel und Ulms Oberbürgermeister Ivo Gönner als mögliche Kandidaten gehandelt.
Hück forderte die SPD zu mehr Selbstbewusstsein und Siegeswillen auf. Er könne nicht verstehen, dass viele Parteifreunde im Land wegen der schwachen Umfragewerte nicht mehr an den Erfolg glaubten. Baden- Württemberg sei kein CDU-Erbhof. „Wenn wir wollen, können wir hier Wahlen gewinnen“, rief der 46-Jährige. Die Kinderporno-Affäre des Karlsruher SPD-Bundestagsabgeordneten Jörg Tauss spielte so gut wie keine Rolle. Tauss, der als Generalsekretär der Südwest-SPD zurückgetreten war, hatte seinen Auftritt bei den Jusos am Sonntag abgesagt.
Zunächst müsse die SPD in Baden-Württemberg beweisen, dass sie mehr als 30 Prozent der Stimmen bei der Bundestagswahl erringen könne. „Dafür werde ich kämpfen“, rief Hück den über 200 begeisterten Jungsozialisten zu. Nur die SPD wache über die soziale Gerechtigkeit und garantiere Kündigungsschutz, Tarifautonomie und Mitbestimmung in den Betrieben. Harte Kritik übte der Betriebsrat an den Banken und ihren Managern. „Wie soll ich den jungen Leuten Gerechtigkeit erklären, wenn Banker, die Milliarden verzocken, dann auch noch eine Millionen-Abfindung bekommen?“
Der Porsche-Betriebsratschef war von Juso-Landeschef Roman Götzmann als Spitzenkandidat ins Gespräch gebracht worden. Hück war im Sommer von dem damaligen SPD-Chef Kurt Beck in das Team für den Bundestagswahlkampf 2009 berufen worden und galt als potenzieller Bundesarbeitsminister. Götzmann (27) gab sein Amt am Samstag nach drei Jahren ab. Nachfolger als Juso-Chef wurde der bisherige Vize Frederick Brütting (25).
Hück empfahl der Südwest-SPD, mit den Themen Bildung und soziale Gerechtigkeit in die kommenden Wahlkämpfe zu ziehen. Das Land brauche mehr Ganztagsschulen und Kindergärten mit einem Gratis-Mittagessen. Der Betriebsratschef kritisierte in diesen Zusammenhang Oettinger scharf. „Wenn jemand Hunger hat, dann diskutiert man nicht, wer das finanziert.“
Hücks Engagement für sozial Schwächere wurde auch von vielen Genossen in der dpa-Umfrage gewürdigt. Peter Friedrich, Kreischef und Bundestagsabgeordneter aus Konstanz, sagte: „Kollege Hück ist ein kantiger Typ, der kein Blatt vor den Mund nimmt. Er würde gut soziale und wirtschaftliche Vernunft verknüpfen; etwas, was Oettinger völlig abgeht.“ Der Pforzheimer Kreischef Ralf Fuhrmann nannte den Porsche- Mann eine „charismatische Persönlichkeit“, die sich immer für Arbeitnehmerfragen engagiert habe. Er sei gut als Spitzenkandidat vorstellbar - ebenso wie Schmiedel und Gönner.
Für Andreas Reißig, Stuttgarter Kreischef und Pressesprecher der Landes-SPD, ist die Personaldiskussion „eine Debatte zur Unzeit“. Skeptisch äußerte sich auch die Ulmer SPD-Fraktionschefin Dorothee Kühne. Sie gehe davon aus, dass Porsche Hück noch brauchen werde. Der Stuttgarter Fraktionsvorsitzende im Gemeinderat, Manfred Kanzleiter, würde Hück angesichts seines Werdegangs empfehlen: „Lieber Uwe, bleib' auf Deinem Posten als Betriebsratsvorsitzender.“ dpa