nach oben
Hat das Fleisch die richtige Temperatur? Verbraucherschutzminister Alexander Bonde (Grüne) will Wirte mit mehr Wissen in Sachen Hygiene.
Hat das Fleisch die richtige Temperatur? Verbraucherschutzminister Alexander Bonde (Grüne) will Wirte mit mehr Wissen in Sachen Hygiene. © dpa
08.05.2012

Verbraucherschutzminister will Wirte mit Sachkunde

Verbraucherschutzminister Alexander Bonde (Grüne) will Wirte mit mehr Wissen in Sachen Hygiene. Dafür solle ein entsprechender qualifizierter Sachkundenachweis sorgen, sagte Bonde der Nachrichtenagentur dpa am Dienstag.

Es müsse verhindert werden, «dass mangelhaft ausgebildete Anbieter Zugang zum Führen eines Lebensmittelbetriebes haben, wie es bisher leider gelegentlich der Fall ist.» Gerade bei Quereinsteigern und im Bereich des schnell wechselnden Gastroangebots käme es immer wieder zu Verstößen, die über das übliche Maß hinausgingen.

Nach Bondes Vorstellungen sollen alle, die nicht über eine einschlägige Ausbildung im Lebensmittelbereich verfügen, einen Kurs besuchen, in dem sie beispielsweise den hygienisch einwandfreien Umgang mit Lebensmitteln und rechtliche Grundregeln lernen. Eine Prüfung entscheide darüber, ob die Teilnehmer eine Gaststätte führen dürfen. Im Südwesten gibt es rund 25 000 Gastronomiebetriebe.

Auch der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) in Baden-Württemberg sieht Handlungsbedarf. Bisher sei einzige formale Zugangsvoraussetzung für das Betreiben einer Gaststätte ein vierstündiger Kurs bei der IHK ohne Prüfung, sagte Dehoga-Sprecher Daniel Ohl. Der Verband hat deshalb 2012 eine Hygiene-Offensive gestartet. Rund 3100 Beschäftigte hätten inzwischen daran teilgenommen. Gemeinsam mit den Lebensmittelkontrolleuren sei unter anderem eine umfassende Hygiene-Checkliste erstellt worden. Für viele Wirte sei die korrekte Dokumentation der Hygienemaßnahmen schwierig. «Geputzt wird überall, aber das Dokumentieren ist eine Riesenherausforderung», sagte Ohl.

Die Einführung eines Sachkundenachweises werde derzeit intensiv in den verschiedenen Verbraucherschutzgremien von Bund und Ländern diskutiert, sagte Bonde. Der Minister will außerdem die vor einigen Jahren drastisch reduzierte Zahl der Lebensmittelkontrolleure bis 2014 wieder erhöhen.

Insgesamt werde in Baden-Württemberg mit einem risikoorientierten Ansatz eine hohe Sicherheit im Lebensmittelbereich gewährleistet, sagte Bonde. Die Zahl der Beanstandungen dürfe über diesen hohen Standard nicht hinwegtäuschen. «Wenn die Kontrolleure immer gezielt dort hingehen und kontrollieren, wo sie Verstöße vermuten, finden sie natürlich auch mehr Verstöße, als wenn sie alle Betriebe gleich kontrollieren würden», sagte Bonde. Im Jahr 2010 wurden von den rund 90 000 Betrieben knapp 39 000 kontrolliert. Zu Beanstandungen kam es in 12 000 Fällen. Rund ein Prozent der Gastronomiebetriebe mussten vorübergehend geschlossen werden.

Derzeit sei die Anzahl der Kontrolleure in Baden-Württemberg in Folge der Abschaffung des bei der Polizei angesiedelten Wirtschaftskontrolldienstes 2004 zu niedrig, so Bonde. Damals seien die Kontrolleure von 350 auf 222 reduziert worden. «Jetzt sind wir mühsam dabei, die Zahlen wieder so zu erhöhen, dass wir ein besseres Verhältnis Kontrolleur zu Betriebsanzahl hinbekommen», sagte der Verbraucherschutzminister. Bis 2014 soll die Zahl der Kontrolleure auf 332 erhöht werden.

Leserkommentare (0)