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Der 36 Jahre alter Angeklagter (vorne, Mitte) muss wegen versuchten Mords an seinem Vater mit Quecksilber für sechs Jahre hinter Gitter.
Der 36 Jahre alter Angeklagter (vorne, Mitte) muss wegen versuchten Mords an seinem Vater mit Quecksilber für sechs Jahre hinter Gitter. © dpa
30.07.2013

Versuchter Vatermord: Sechs Jahre Haft im Quecksilber-Prozess

Im Prozess um einen versuchten Mord mit Quecksilber muss der 36 Jahre alte Angeklagte für sechs Jahre hinter Gitter. Das Landgericht Heilbronn verurteilte den Mann am Dienstag wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass er das gefährliche Schwermetall im Kopfkissen seines 74 Jahre alten Vaters und in einer Sessellehne versteckte, um diesen zu töten.

Mit dem Urteil blieb das Gericht zwei Jahre unter den von der Staatsanwaltschaft geforderten acht Jahren, die Verteidigung hatte keinen konkreten Strafantrag gestellt. Als strafmildernd wertete die Kammer das teilweise Geständnis des 36-Jährigen.

Nach Darstellung des Gerichts hatte der 36 Jahre alte Mann aus Öhringen zeitlebens ein schlechtes Verhältnis zu seinem verwitweten und heute demenzkranken Vater, auf dessen landwirtschaftlichem Hof beide gemeinsam lebten. Dieser habe ihn stets schlecht behandelt und schikaniert. «Der Alte muss weg, ich bringe ihn um», habe der Sohn mehrmals zu Bekannten gesagt. Schließlich habe er sich im Internet über die Wirkungsweise des hochgiftigen Quecksilbers informiert und beschlossen, dieses als Tötungsinstrument einzusetzen. «Ihnen war klar, dass Quecksilber alles andere als ein Beruhigungsmittel ist, daher sind wir davon überzeugt, dass Sie Ihren Vater umbringen wollten», sagte der Vorsitzende Richter in seiner Urteilsbegründung am Dienstag.

 

In heimtückischer Art und Weise habe der Angeklagte Matratze und Kissen im Schlafzimmer präpariert und das Quecksilber zudem mit Hilfe einer Spritze in die Rückenlehne des väterlichen Fernsehsessels eingebracht. Dort wurden laut Gutachten immerhin noch 56,5 Gramm Quecksilber festgestellt. Nachdem der Sohn allerdings gemerkt habe, dass das Schwermetall nicht die von ihm erwünschte Wirkung erzielte, habe er sich zu einem anderen Weg entschlossen. Er informierte sich bei einem Bekannten über die Wirkungsweise eines starken Narkotikums und bestellte dieses «Mittel für Dämmerzustand» im Mai 2012 im Internet.

Nach Ansicht des Gerichtes löste er dieses Narkotikum in Wasser auf und träufelte es auf einen Streuselkuchen, nach dessen Genuss der Vater in einen Dämmerzustand verfiel und bei Eintreffen der Rettungskräfte starke Bewusstseinsstörungen hatte. «Sie haben es zwar in Kauf genommen, dass Ihr Vater durch das Quecksilber toxische und möglicherweise tödliche Dämpfe einatmen würde, aber bezüglich des Narkotikums im Streuselkuchen gehen wir nicht von einem konkreten Tötungsvorsatz aus», sagte der Richter. Immerhin habe der Sohn aber auch in diesem Fall heimtückisch gehandelt, weil er in den Wald zum Arbeiten gegangen sei, während der Vater im Dämmerzustand und offensichtlich leidend in seinem Schlafzimmer lag.

Als strafmildernd wertete das Gericht die Tatsache, dass der Angeklagte zwar monatelang zu den Vorwürfen geschwiegen, gegen Ende des Prozesses aber immerhin teilweise seine Taten eingeräumt habe. Auf Unverständnis stieß beim Gericht allerdings die Tatsache, dass Vater und Sohn trotz ihres offenkundig jahrzehntelang schlechten Verhältnisses unter einem Dach lebten. «Sie hätten sich das alles sparen und einfach auch wegziehen können», so der Richter.