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Frauen im Südwesten erhalten auch bei gleicher Ausbildung noch immer weniger Lohn als ihre männlichen Kollegen. Foto: dpa
frauen © dpa
18.08.2011

Viele Akademikerinnen weniger gut bezahlt

STUTTGART. Falsche Berufswahl oder Diskriminierung? Arbeitnehmerinnen im Südwesten bekommen immer noch weniger Lohn als Männer mit gleicher Ausbildung. Das ruft auch die Regierung auf den Plan.

Immer noch haben viele Frauen bei gleicher Ausbildung einen schlechter bezahlten Job als Männer. Nach Zahlen des Statistischen Landesamtes vom Donnerstag hatten im Jahr 2010 im Südwesten nur 32 Prozent der vollzeitbeschäftigten Akademikerinnen ein monatliches Nettoeinkommen von 2600 Euro und mehr, bei ihren männlichen Kollegen lag der Anteil mehr als doppelt so hoch (65 Prozent).

Gut 40 Prozent der Männer erreichten diese Einkommensklasse auch mit einem Meister oder einer Technikerausbildung, dagegen nur 12 Prozent der Frauen. Umgekehrt musste fast jede zehnte Frau trotz abgeschlossener Lehre mit weniger als 900 Euro netto monatlich auskommen, während es nur drei Prozent der Männer waren.

Die Einkommensunterschiede führt die Statistikbehörde unter anderem darauf zurück, dass Frauen häufiger Auszeiten für die Familie nehmen und deshalb weniger Berufsjahre vorweisen können. Doch auch die geschlechtsspezifische Berufswahl spiele eine Rolle. Viele «typisch weibliche» Berufe seien oft schlechter bezahlt. Die Frauen konzentrierten sich auf vier Berufsfelder: Büro, Gesundheit, Verkauf und soziale Berufe. Bei Männern gebe es eine deutlich stärkere Verteilung.

Auffällig sei auch, dass viel weniger Frauen in den naturwisssenschaftlich-technischen «MINT-Berufen» wie Ingenieur, Chemiker, Physiker, Mathematiker und Techniker zu finden seien. Von den 547 000 Erwerbstätigen, die im vergangenen Jahr in diesen Berufen arbeiteten, waren knapp 85 Prozent männlich. Und die Bedeutung dieser Berufe wächst: Seit 2000 ist die Zahl der Erwerbstätigen hier um 20 Prozent gestiegen, insgesamt stieg sie nur um rund 9 Prozent.

«Lohndiskriminierung muss gestoppt werden», forderte Arbeitsministerin Katrin Altpeter (SPD) angesichts der Zahlen. Die geringeren Verdienste von Frauen seien nicht zu rechtfertigen. Die Tarifparteien sähen die Frauen zu häufig allein als Hinzuverdiener. Nur so sei es zu erklären, dass in Deutschland das Tragen von 15 Kilo Stahl höher bezahlt werde als das Tragen eines 15 Kilo schweren Kindes. Mit dem im Juli unterzeichneten Bündnis «Frauen in MINT-Berufen» das Wirtschaftsministerium, mehr Frauen für technisch-naturwissenschaftliche Berufe gewinnen. dpa