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Der Leitende Kriminaldirektor Andreas Stenger vom baden-württembergischen Landeskriminalamt zeigt in Villingen-Schwenningen während einer Pressekonferenz Modelle der Handgranate M52 aus dem ehemaligen Jugoslawien, wie sie auf ein Flüchtlingsheim geworfen wurde.
Der Leitende Kriminaldirektor Andreas Stenger vom baden-württembergischen Landeskriminalamt zeigt in Villingen-Schwenningen während einer Pressekonferenz Modelle der Handgranate M52 aus dem ehemaligen Jugoslawien, wie sie auf ein Flüchtlingsheim geworfen wurde. © dpa
09.02.2016

Vier Verdächtige nach Granatenanschlag auf Flüchtlingsheim gefasst

Nach dem Anschlag mit einer Handgranate auf eine Flüchtlingsunterkunft in Villingen-Schwenningen haben die Ermittler vier Verdächtige gefasst. Die Spur führt ins Sicherheitsgewerbe. Ein fremdenfeindliches Motiv schließen Polizei und Staatsanwaltschaft nach Angaben vom Dienstag aus.

Drei der vier Männer im Alter von 23, 27 und 37 Jahren kamen in Untersuchungshaft. Die Handgranate war Ende Januar auf das Gelände der Erstaufnahmestelle geworfen worden und neben einem Container des Sicherheitsdienstes gelandet, in dem sich drei Wachleute aufhielten. Die aus dem Kreis Rottweil und dem Schwarzwald-Baar-Kreis stammenden Männer sollen an der Tat beteiligt gewesen sein. Es wurde niemand verletzt.

Details zu den Hintergründen nannten die Ermittler nicht und verwiesen auf ermittlungstaktische Gründe. „Allerdings dürften Konflikte, die zwischen den im Schwarzwald-Baar-Kreis tätigen Sicherheitsunternehmen bestehen, die Ursache sein“, hieß es in der Mitteilung. Die Verdächtigen hätten überwiegend einen osteuropäischen Migrationshintergrund.

Die Polizei war bei Aktionen am Montagnachmittag und Dienstagvormittag auch mit Hilfe von Spezialkräften gegen die Verdächtigen vorgegangen. Gegen drei der Männer wurden Haftbefehle wegen eines Verbrechens gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz erlassen. Die Ermittlungen seien noch nicht abgeschlossen, weitere Spuren müssten ausgewertet werden.

In der Unterkunft lebten nach damaliger Auskunft des Regierungspräsidiums Freiburg 104 Flüchtlinge aus mehreren Ländern, 39 davon aus Syrien, weitere Migranten stammten aus Afghanistan, Irak und Albanien. Die Behörde war am Dienstagabend zunächst nicht zu erreichen.

Die jugoslawische Granate vom Typ M52, eine Kriegswaffe, war bei dem Anschlag nicht explodiert. Nach Angaben des Landeskriminalamtes war sie mit Sprengstoff gefüllt und über den Zaun der Einrichtung geworfen worden.

Der nach der Tat eingerichteten Sonderkommission „Container“ sei es nun gelungen, Hinweise auf die im Sicherheitsgewerbe arbeitenden Tatverdächtigen zu gewinnen und einen Tatverdacht zu konkretisieren. Bei den Ermittlungen wurde die Soko durch Spezialisten des Bundeskriminalamtes, des Landeskriminalamtes und den Ämtern des Verfassungsschutzes unterstützt. Die Ermittler wollen in den nächsten Tagen weitere Spuren auswerten, um die Hintergründe des Anschlags zu klären. Bisher hätten sie mehr als 100 Menschen vernommen.