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In einem Labor des Landesgesundheitsamtes finden Tests für das neue Virus statt.  Foto: dpa 

Virus-Konsequenzen nach Ferienende - Selbst im Gottesdienst wird Kontakt vermieden

Stuttgart. Isolierte Patienten und neue Testzentren, unfreiwillig verlängerte Faschingsferien für reisende Polizisten und auch die Kirche zieht Konsequenzen aus der steigenden Zahl von Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus. Bei Gottesdiensten am Sonntag vermieden Gläubige und Geistliche den direkten Kontakt bei Kommunion und Abendmahl. Baden-Württembergs Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) gibt sich dennoch zuversichtlich, die Lage im Südwesten zu kontrollieren. „Wir haben nach wie vor keinen kursierenden Erreger“, sagte er. Es gebe einen Überblick über die meisten Kontaktketten.

Um die Gefahr von Ansteckungen zum Ende der Faschingsferien zu reduzieren, sollen nach Kindern, Schülern, Lehrern und vielen Beamten auch Polizisten vorsorglich zu Hause bleiben, wenn sie in den vergangenen Tagen aus einem Risikogebiet für das Coronavirus zurückgekehrt sind. Dies gelte unabhängig von eigenen Krankheitssymptomen, wie aus einem internen Schreiben des Innenministeriums hervorgeht, das der dpa vorliegt.

Als Risikogebiete nennt das Ministerium die norditalienische Provinz Lodi in der Region Lombardei und die Stadt Vo in der Provinz Padua (Region Venetien) sowie Teile Chinas, des Irans und Südkoreas.

Zuvor hatte bereits das Kultusministerium eine ähnliche Vorgabe für Kindertagesstätten und Schulen herausgegeben. Unklar ist, wie viele Menschen von diesen Einschränkungen betroffen sind. „Hier geht es sicherlich nur um Einzelfälle“, sagte Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) am Samstag. Die Ferien enden in Baden-Württemberg heute. Wegen des Virus Sars-CoV-2 wurden auch erste Veranstaltungen in Baden-Württemberg abgesagt. Unter anderem verschiebt die Karlsruher Messe die anstehende Nahverkehrsmesse IT-Trans aus Sicherheitsgründen. Die Anfragen und gesundheitlichen Bedenken der Teilnehmer hätten zuletzt deutlich zugenommen, hieß es in der Mitteilung der Veranstalter.

Nach Einschätzung Luchas müssen Großveranstaltungen wie zum Beispiel Bundesligaspiele aber nicht grundsätzlich untersagt werden. Es sei zwar vernünftig gewesen, die ITB abzusagen, weil sich die globalisierte Zielgruppe nicht hätte steuern lassen. „Aber Stand heute braucht man Bundesligaspiele nicht absagen, auch wenn das die Veranstalter entscheiden“, sagte der Gesundheitsminister. Abhängig sei eine Absage davon, „ob Risikopersonen oder -zielgruppen stärker angezogen werden“.

Gläubige feierten ihren Gottesdienst nach der Mahnung der Kirchen unter erhöhter Vorsicht. In Heidelberg begingen die über 70 Gläubigen zwar wie gewohnt das Abendmahl. Wein oder Traubensaft gab es aber nur in speziellen Einzelkelchen. Zudem desinfizierten sich die Kirchendiener vor der Ausgabe des Brotes die Hände. Auch in Karlsruhe verzichteten die Geistlichen auf Kelch- und Mundkommunion sowie den Friedensgruß. Die katholische Kirche hatte zu ähnlichen Vorbeugemaßnahmen geraten. Die Diözese Rottenburg-Stuttgart teilte mit, es solle vorerst auf das Händereichen als Friedensgruß verzichtet und ausschließlich die Handkommunion angeboten werden. Auch die Weihwasserbecken werden vorerst nicht gefüllt.