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Viele Geflüchtete haben in ihrer Heimat studiert und wollen in Deutschland ihren Abschluss machen. An den Universitäten werden sie darauf vorbereitet. Doch längst nicht alle schaffen den Zugang.
Viele Geflüchtete haben in ihrer Heimat studiert und wollen in Deutschland ihren Abschluss machen. An den Universitäten werden sie darauf vorbereitet. Doch längst nicht alle schaffen den Zugang. © dpa
01.05.2017

Vorbereitung Geflüchteter auf Studium dauert länger als erwartet

Tübingen (dpa/lsw) - Die Universitäten setzen ihre Programme zur Studienvorbereitung für Flüchtlinge nach großer Nachfrage in den ersten Auflagen fort.

Nach Schätzungen des Wissenschaftsministeriums in Stuttgart nutzten im vergangenen Jahr in Baden-Württemberg zwischen 400 und 500 Geflüchtete solche Angebote. «Ich freue mich über das unverändert hohe Engagement, mit dem die Hochschulen im Land hochqualifizierte Geflüchtete bei der Aufnahme eines Studiums unterstützen», sagte Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne). 

Zum Teil wird die Teilnehmerzahl in der zweiten Auflage erhöht: In Freiburg startet der zweite Vorkurs mit 44 Teilnehmern. In der ersten Runde saßen 40 Schüler in dem Kurs, wie die Universität mitteilte. In Tübingen hatten sich in der Erstauflage 105 Geflüchtete auf 25 Plätze beworben - die Kapazität wurde dann auf 45 Plätze erhöht.

Wie viele von den aktuellen Teilnehmern bereits im Herbst ein Studium beginnen können, ist jedoch unklar. In Tübingen hat knapp die Hälfte von ihnen am Ende des Kurses die Zulassung für einen Deutschtest zum Hochschulzugang erhalten. «Der Weg vom Alltagsniveau in Deutsch auf ein akademisches Niveau ist weit», sagte die Flüchtlingskoordinatorin der Uni Tübingen, Christine Rubas.

Wer den Test nicht schafft, kann es im Winter noch mal versuchen. Auch Flüchtlinge, die das Sprachdiplom schaffen, hätten damit noch keine Garantie auf einen Studienplatz. Sie kämpfen laut Rubas in Tübingen zum Beispiel im Fach Medizin zusammen mit 1500 Interessenten aus aller Welt um acht Studienplätze für internationale Bewerber.

Das Kurskonzept unterscheidet sich nach Angaben des Ministeriums von Universität zu Universität. Deutsch, Mathe und Englisch gehören fast überall zum Programm. Die Universität Mannheim ermöglicht zudem Schnuppervorlesungen, in Freiburg und Tübingen wird auch Wert auf die Einführung ins wissenschaftliche Arbeiten gelegt. Dass Dozenten hier kritisches Nachdenken und Nachfragen erwarten, müsse erst mal vermittelt werden. «Viele haben sich daran gefreut, dass sie hier so viel Freiheit haben», sagt Flüchtlingskoordinatorin Rubas. 

Die Hochschulen finanzieren die Angebote nach Angaben des Wissenschaftsministeriums insbesondere mit Hilfe von Geldern des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.